Mein liebster Award #2

Da ist sie – meine zweite Nominierung für MEIN LIEBSTER AWARD. Danke Ma-Go, dass du an mich gedacht hast. Ich werde deine Filmfragen nach bestem Gewissen zu beantworten versuchen. Ich habe mir damit ein bisschen Zeit gelassen, weil ich ich zwei Wochen an der Versilia im schönen Italien weilte. Jetzt bin ich ausgeruht und wieder voller Elan.

1. Eine Bestsellerverfilmung kommt ins Kino, die du noch nicht kennst. Schaust du lieber den Film, oder liest du lieber das Buch? Oder beides? Und wenn, in welcher Reihenfolge?
Wahrscheinlich schaue ich mir zuerst den Film an, wenn die Verfilmung dann schon im Kino läuft. Die Romanvorlage interessiert mich dann meist, wenn der Film mich total umhaut oder auf der anderen Seite viele Fragen offen lässt. Dann aber mit mit ein bisschen zeitlichem Abstand zum Film, weil ich sonst beim Lesen immer automatisch die Bilder vom Kino im Kopf hätte.

2. Von welchem/r Schauspieler/in würdest du dir ungeachtet des Inhalts wahrscheinlich jeden Film anschauen?
Gary Oldman. Ich kenne zwar nicht seine komplette Filmografie, aber doch die meisten seiner Filme. Sind zwar nicht alles Perlen, aber als Schauspieler haut mich Oldman jedes mal wieder um.

3. In welcher Figur aus der Filmgeschichte erkennst du dich am ehesten wieder?
Das ist ja wieder eine Frage 😉 Das ist schwierig. Da fällt mir ehrlich gesagt nichts ein. Aber ich weiß eine Figur, die mir von Grund auf sympathisch ist: Gandalf. Ihn hätte ich gern als Opa oder Onkel. Er ist so klug, so gütig und so weise. Und er kann zaubern 🙂 

4. Früher Cowboys, Monster und Aliens – heute handelt gefühlt jeder zweite Film von einem Comic-Helden. Was könnte der nächste große Trend werden, wenn Spider Man und Co. irgendwann wieder in der Marvel-Kiste verschwinden?
Ich hoffe dochsehr, dass Spiderman und Co. irgendwann wieder in der Marvel-Kiste verschwinden. Inzwischen hat man ja den Überblick verloren bei den vielen Superhelden, die die Leinwand bevölkern. Der nächste größe Trend? Ich finde, das Schience-Fiction-Genre sollte neu belebt werden. Mit INTERSTELLAR, GRAVITY und DER MARSIANER hat es in den vergangenen Jahren einige sehr gelungene Versuche gegeben. Technisch sind wir heute einfach viel weiter, und es gibt bestimmt noch einige spannende Geschichten zu erzählen.

5. Ebenfalls angesagt sind Reboots und Re-Makes. Welcher Klassiker sollte dringend noch mal aufgewärmt werden?
Das ist schwierig, denn meistens reichen die Remakes nicht an das Original heran und sind nur ein billiger (oder besser gesagt teurer) Abklatsch – Ausnahmen bestätigen die Regel. Ein Fim, den ich mir mit den heutigen technischen Möglichkeiten wünschen würde, ist IN DEN FESSELN VON SHANGRI-LA (1937) von Frank Capra. Die Geschichte ist spannend und mehrdeutig. Mich würde interessieren, wie ein solcher Stoff heute umgesetzt werden würde.

6. Was war der beste Film den du in den letzten, sagen wir mal 3 Jahren gesehen hast?
Mit etwas Abstand muss ich sagen: THE REVENANT.

7. Wo und mit wem schaust du dir am liebsten Filme an?
Auf der Couch mit meinem Lebensgefährten oder eben im Kino mit selbigem, mit Schwester und Schwager oder mit meinen Kollegen, die ich gern ins Kino schleife. Ich mag aber auch Sommerkino unter freiem Himmel mit einem Gläschen Perlwein in der Hand.

8. Welche fünf Filme (inklusive Wiedergabemedium und Stromanschluss) würdest mit auf eine einsame Insel nehmen? Einsam heißt, ich bin ganz alleine da? Dann auf jeden Fall keinen Horrorfilm 🙂 EIN FISCH NAMENS WANDA, den könnte ich mir immer wieder anschauen. Etwas peinlich BRIDGET JONES. PULP FICTION, PRESTIGE und die GODFATHER-Trilogie, die habe ich lange nicht gesehen.

9. Wieso sollte man Filme eigentlich im (englischen) Originalton anschauen?
Wieso auch nicht – wenn man es gut versteht?

10. Welchen Film, den sonst alle gut finden, findest du so richtig scheiße?
Da gibt es viele, da ich so einen speziellen Filmgeschmack habe. Andersrum gibt es wahrscheinlich viele Leute, die meine Favoriten scheiße finden. Gar nicht geht „A MILLION WAYS TO DAY IN THE WEST“. Ich fand auch die MATRIX-Trilogie nicht so umwerfend. Wahrscheinlich hatte ich zu hohe Erwartungen.

11. Provokant gefragt: Was soll das eigentlich mit der Bloggerei? Hast du kein Leben?
Es ist genau anders rum. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich so selten zum Bloggen komme. Aber ich will mich bessern. Einmal pro Woche muss drin sein.

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Für die nächste Runde von MEIN LIEBSTER AWARD nominiere ich Belkor , Gobi und Tarlucy. Vielleicht fällt euch ja was zu meinen Fragen zum Thema Film/Urlaub ein. Strengt euch an 🙂 Wer ohne Nominierung mitmachen möchte, nur zu.

  1. Wie entscheidest du, ob du dir einen Film im Kino anschaust oder nicht?
  2. Bist du schon einmal mitten im Film aufgestanden und hast das Kino verlassen? Wenn ja, bei welchem Film und warum?
  3. Independentfilme oder Blockbuster – was ist dir lieber?
  4. Blick zurück in der Filmgeschichte – welchen Klassiker sollte man unbedingt gesehen haben?
  5. Zurück in der Zukunft: Auf welchen Kinofilm im Jahr 2016 freust du dich besonders?
  6. Mal was anders: Hast du schon deinen Sommerurlaub geplant? Wohin geht es?
  7. Welches Land dieser Welt würdest du gern bereisen?
  8. Cluburlaub oder Individualtourismus – was ist dir lieber?
  9. Wie buchst du deinen urlaub – über das Internet oder Reisebüro?
  10. Welches Souvenir ist ein Muss für dich?
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FRITZ LANG – Auf der Spur der Bestie

Fritz Lang

Es gibt Filmmusik, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Die Violinen in der Duschszene von „Psycho“, das nur aus zwei Noten bestehende Thema beim Herannahen des Monstrums in „Der weiße Hai“ – oder auch die gepfiffene Melodie in  „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931).

Eben dieses Liedchen („Peer-Gynt-Suite“ von Edvard Grieg) verursacht Gänsehaut bei mir, wann immer ich es höre. In „M“ pfeift Kindermörder Hans Beckert (Peter Lorre) diese Melodie. Ein Blinder erkennt sie und überführt die Bestie. Die Erkenntnis am Ende: Dem Mörder wird der Prozess gemacht, aber die getöteten Kinder bringt das nicht zurück. „M“ war Fritz Langs („Metropolis“, „Dr. Mabuse“) erster Tonfilm. Ein Meilenstein, auch weil es dem Österreicher gelang, die Möglichkeiten des neuen Mediums nicht nur zu bedienen, sondern künstlerisch auszuschöpfen.

Was hat Fritz Lang dazu bewogen, sich diesem Thema zu widmen? Was hat ihn zu dem Drehbuch inspiriert? Wie denkt man sich in die Psyche eines Mörders? Diesen Fragen versucht der Historiker Gordian Maugg in seinem Film „Fritz Lang“ (2016) auf den Grund zu gehen. Kein Dokumentarfilm, sondern ein Spielfilm, der Fiktion und Realität miteinander verwebt – mit Heino Ferch, der Allzweckwaffe des deutschen Films, in der Titelrolle.

Vor allem in Hollywood ein beliebter Stoff – der Einblick in die Film- bzw. Theaterbranche und in die Entstehungsgeschichte eines bekannten Werkes. „Saving Mr. Banks“ (Mary Poppins) und „Hitchcock“ (Psycho) sind mehr oder weniger gelungene Beispiele dafür. Am ähnlichsten ist „Fritz Lang“ jedoch „Shakespeare in Love“. Auch wenn der Film kein bisschen romantisch ist, die Parallelen liegen auf der Hand: Ein Autor mit Schreibblockade auf der Suche nach Inspiration. Bei „Shakespeare“ ist es Lady Viola, die ihn die Muse küssen lässt (und einiges mehr). Bei „Fritz Lang“ ist die Bestie von Düsseldorf – der Massenmörder Peter Kürten. Der Autor überwindet seine Blockade. Und am Ende steht ein fertiges Drehbuch. Auch wenn das meiste davon rein spekulativ ist, für einen spannenden wie unterhaltsamen Film reicht das allemal.

Die Leiche im Keller

Und dieser Fritz Lang war kein Kind von Traurigkeit. Im wahren Leben wie im Film. In der Berliner Partyszene soll er es ordentlich krachen gelassen haben. Dazu hatte er eine Leiche im Keller – im wahrsten Sinne des Wortes. Seine erste Ehefrau starb durch eine Kugel aus seiner Waffe. Die genauen Umstände des Todes sind bis heute ungeklärt.

Maugg macht sich das zunutze. Sein Lang begibt sich auf die Spur des Mörders – und hier beginnt die Fiktion. Gleichzeitig setzt er sich mit seinen eigenen Dämonen auseinander. Was macht einen Menschen zum Mörder? Was empfindet man im Moment des Tötens? Ist es Reue oder Genugtuung? Lang muss das wissen. Als er dem Mörder schließlich gegenüber sitzt, ist es wie der Blick in den Spiegel. Kürten ist ein kranker Geist. Durch die Konfrontation mit dem Mörder versucht Lang, sein eigenes Trauma zu überwinden. So weit so gut. Denn das ist die große Schwäche des Films. Der fiktive Lang  hat nicht nur mit einem Trauma zu kämpfen, sondern gleich mit drei: Die tote Frau, das Grauen des Krieges und der Konflikt mit dem Vater. Na was denn nun? Gordian Maugg verzettelt sich. Dem Zuschauer fällt es schwer zu folgen.

Die Bestie ist unter uns

Für einen deutschen Film ganz gut – das wäre ein unbefriedigendes Urteil. Ein Film sollte für sich stehen, die Messlatte immer auf gleicher Höhe hängen. Trotz der dramaturgischen Mängel ist Gordian Maugg ein kleines Meisterwerk gelungen, was unter anderem dem Hauptdarsteller zu verdanken ist. Immer wieder zeigt die Kamera Heino Ferchs Gesicht. Ein Gesicht in Großaufnahme, das kaum Regung zeigt. Dennoch spürt man die Dunkelheit der Langschen Seele, das Brodeln unter der Oberfläche. Mauggs Film überzeugt vor allem optisch. So setzt der Regisseur elegante Spielszenen in Schwarz-Weiß gegen körniges Dokumentarmaterial. Mit dem Verzicht auf Farbe beschreibt der Film das Zeitkolorit der 30er Jahre – jene Zeit, in der eine viel größere Bestie erwachte.

„M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ist entstanden, als sich der Gedanke des Nationalsozialismus in den Köpfen vieler Deutsche einnistete. Was macht einen Menschen zur Bestie? Wie es heißt, waren es nicht nur Massenmörder, die Fritz Lang inspirierten, sondern die diffuse Angst vor dem, was kommen sollte. Auch deshalb lässt mich diese gepfiffene kleine Melodie immer wieder erschaudern.

„Fritz Lang“ (Deutschland 2016)
104 Minuten
Darsteller: Heino Ferch, Thomas Thieme, Johanna Gastdorf, Samuel Finzi, Lisa Charlotte Friederich, Michael Mendl
Regie: Gordian Maugg
Drehbuch: Alexander Häusser, Gordian Maugg
Kamera: Moritz Anton, Lutz Reitemeier,
Schnitt: Angela Tippel, Olivia Retzer, Florentine Bruck
Musik: Tobias Wagner
Produzent: Nicole Ringhut

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Mein Liebster Award – eine Premiere

Meine erste Nominierung für MEIN LIEBSTER AWARD. Danke schön, WordBUZZz, dass du an mich gedacht hast. Auch wenn die Fragen richtig harte Nüsse sind. Ich werde mir Mühe geben 🙂

Wie stehst du zu den Thema Zeit heilt alle Wunden?
Hoffen wir mal, dass es stimmt.

Darf man in deinen Augen Babys von Anfang an vegetarisch/ vegan ernähren?
Dann wäre Muttermilch doch auch verboten, oder nicht? Denn die ist ja nun definitiv nicht pflanzlich. Auch wenn Veganer mich jetzt schelten mögen, ich vertrete den Standpunkt, dass alles in Maßen nicht ungesund sein kann. Das gilt für Erwachsene genauso wie für Kinder und Babys. Obwohl es auf der anderen Seite manchmal nicht einfach ist, mein Kind davon zu überzeugen, Gemüse zu essen.

Mit welcher Kultur aus welchem Land könntest du dich am meisten identifizieren?
Ich bezeichne mich  gerne als Italienerin im Geiste. Ich mag die Sprache, die Musik, das Klima, die Lebensart, das Essen, den Wein. Noch näher fühle ich mich aber den Engländern, vor allem was Musik, Filme und den Humor (bilde ich mir zumindest ein) betrifft. Nur auf Bier und Eggs&Bacon könnte ich verzichten.

Welches Lebensmittel/Gericht wolltest du schon immer einmal probieren?
Ich wollte schon immer mal Fliegenpilze kosten, um zu schauen, ob man wirklich halluziniert. Ich traue mich aber nicht. Spaß beiseite, vielleicht einmal ein echt ungarisches Gulasch oder ein echt indisches Curry.

Was muss man in deiner Stadt gesehen/ gemacht haben?
In meiner Geburtsstadt Halle (Saale) fällt mir da die Peißnitz ein. Das sind mehrere kleine Inseln zwischen den Flussarmen der Saale. Dort gibt es Wiesen und Wälder, eine Freilichtbühne und mit dem einstigen Pionierhaus eine kultige Ausflugsgaststätte. Mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine. Quentin Tarantino war schon auf der Peißnitz (wirklich). Und der Dichter Joseph von Eichendorff ließ sich einst auf der Klippe eines Saalefelsens zu seinem Gedicht „Da steht eine Burg übern Tale“ und zu folgenden Zeilen inspirieren: „Da hab ich so oft gestanden, es blühten Täler und Höhn. Und seitdem in allen Landen, sah ich nimmer die Welt so schön!“
Meine Wahlheimat Wernigerode (Harz) ist ein Touristenstädtchen. Da ist sicher einiges zu empfehlen, beispielsweise eine Wanderung auf den sagenumwobenen Brocken. Oder einfach mal zu Walpurgis (30. April) in den Harz kommen. Da tanzen in jedem Ort die Hexen ums Feuer.

Du stichst dir ein Tattoo… Was wäre dein Motiv und wo würdest du es tragen wollen?
Über diese Frage habe ich tatsächlich schon einige Male nachgedacht. Leider konnte ich mich bisher nicht für ein Motiv entscheiden. Sonst hätte ich sicher längst ein Tattoo. Wenn, dann sicher nichts Großes, eher was Kleines.

Welches historische Ereignis würdest du gerne verändern?
Es klingt zwar ziemlich banal, aber wenn  ich es könnte, würde ich gern jeden Krieg in der Vergangenheit und in der Zukunft verhindern. Außerdem würde ich Halle zur Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt küren. Und ich hätte diesen unsäglichen Landes-Slogan „Sachsen-Anhalt – Wir stehen früher auf“ verhindert.

Wenn du in die Zeit zurück reisen könntest, wohin würdest du reisen wollen?
Ich würde in meine Kindheit und Jugend zurückreisen, um einige einschneidende Ereignisse, an die ich mich leider kaum noch erinnere, noch einmal intensiv zu erleben. Außerdem würde ich gern Charlie Chaplin und Orson Welles bei Dreharbeiten über die Schulter schauen und mit John Lennon, Bob Dylan und Keith Richards jammen.

Was ist in letzter Zeit völlig überhypt worden?
Tut mir leid, liebe Skywalker-Fans. Was mir da als erstes einfällt, ist STAR WARS, dazu sämtliche Superhelden-Filme und Jan Böhmermann.

Prägendster Film, Roman, Anime, Hörbuch etc. ?
Filme, die mich geprägt haben: PULP FICTION, LEON – DER PROFI, THE KID, CITIZEN KANE,  EIN FISCH NAMENS WANDA und A HARD DAYS NIGHT
BÜCHER: ES (Stephen King), DIE VERSCHMÄHTEN SCHRIFTEN DES PROFESSORS VON IGELFELD (Alexander McCall-Smith)

Größtes Alltagsproblem?
Mir fehlt immer die Zeit: Zeit für den Garten, Zeit für den Haushalt, Zeit fürs Bloggen. Dafür verbringe ich mich viel Zeit mit meinem Kind und meinem Mann. Unsere gemeinsame Zeit ist das kostbarste für mich.

Und jetzt muss ich wohl nominieren: Ich weiß, ihr wart alle schon hunderte Male dran. Deshalb werde ich nur drei von euch auswählen und mit meinen Fragen (Filmfragen, dem Thema meines Blogs geschuldet) quälen 🙂 Wer die Fragen auch ohne Nominierung gern beantworten möchte, ist herzlich eingeladen. Die Spielregel kennt ihr sicherlich. Den Nominator (mich) in eurem Betrag verlinken, meine Fragen beantworten, eigene Fragen ausdenken und selber nominieren. Ich hoffe, das ist richtig so.

Hier die Nominierungen:
Aktion Morgenluft
Staffmann
Klaus Oberrauner

Hier die Fragen:

Was ist der erste Film, den du im Kino gesehen hast, und welche Bedeutung hat er für dich?

Zu welchem Zeitpunkt entscheidest du, ob dir ein Film gefällt? Nach zehn Minuten? Zum Ende des Films? Ein paar Tage später? Und warum ist das so?

Deine drei Lieblingsfilme sind?

Was muss ein Film haben, um dich zu packen?

Wenn du einen Film drehen könntest, wen würdest du besetzen? Mit wem würdest du gern zusammenarbeiten? Und warum?

Ganz ehrlich, was hältst du von der deutschen/deutschsprachigen Filmlandschaft?

Kannst du als Filmblogger im Kino/ oder im Fernsehsessel geistig abschalten und dich fallen lassen, wenn du einen Film siehst, oder fängst du im Hinterstübchen bereits an zu analysieren?

Welcher Schauspieler/Filmemacher hat deiner Meinung nach die Kinogeschichte geprägt? Und warum?

Welche Filme sollte ich unbedingt schauen?

HUGO CABRET – Martin Scorsese weichgespült

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Denk ich an Martin Scorsese in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht. Nein, nicht etwa weil ich den Regisseur schrecklich finde, sondern weil seine Filme immer so aufregend sind. Der Mann kann Thriller („Kap der Angst“), Horror („Shutter Island“), Mafia-Epos („Good Fellas“), hat mit „Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“ und vielen anderen Filmen Kinogeschichte geschrieben. Bis auf wenige Ausnahmen zeichnen sich seine Filme durch Nervenkitzel sowie durch ein gewisses Maß an Gewalt aus. Und das ist auch gut so.

Dass es auch einmal ohne Robert DeNiro und Leonardo DiCaprio, ohne Knarren und Blut geht, hat Martin Scorsese 2011 mit „Hugo Cabret“ bewiesen. Der Stoff war durch glückliche Umstände auf seinem Schreibtisch gelandet. Tochter Francesca hatte ihm das Kinderbuch „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ von Brian Selznick zum Geburtstag geschenkt – in der Hoffnung, dass er es verfilmen würde. Martin Scorsese biss an.

Hugo Cabret und der Automatenmensch

Die Geschichte des Waisenjungen Hugo ist Scorseses erster und bisher einziger Spielfilm, der auch für ein jugendliches Publikum geeignet ist. Trotzdem ist „Hugo Cabret“ kein klassischer Kinderfilm, sondern viel mehr als das.

Zur Handlung: Es ist einige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Hugo (Asa Butterfield) lebt auf dem Pariser Bahnhof Montparnasse, bringt dort die Uhren zum Ticken. Alles, was ihm von seinem verstorbenen Vater (Jude Law) geblieben ist, ist ein kaputter Automatenmensch und Büchlein mit Notizen zur Reparatur. Hugos größter Wunsch ist es, das Werk seines Vaters zu vollenden und den Roboter in Gang zu setzen. Ersatzteile „besorgt“ er sich vom griesgrämigen Spielzeughändler (Ben Kingsley). Das geht so lange gut, bis er erwischt wird. Zur Strafe kassiert der Verkäufer das wertvolle Notizbuch ein und droht es zu verbrennen. Glücklicherweise erhält Hugo Hilfe von Isabelle (Chloe Grace Moretz), der Patentochter des Spielzeughändlers. Gemeinsam gelingt es den Kindern, den Automatenmenschen zu reparieren.

So weit, so gut: Zauberhaft, charmant, berührend und ganz und gar nicht typisch Scorsese. Und es wird noch besser. Der Automat beginnt zu zeichnen – auf dem Papier entsteht ein Szenenbild von „Reise zum Mond“, dem wohl berühmtesten Film von George Méliès, der – wie der Zufall will – ausgerechnet Isabelles Patenonkel, eben jener besagte Spielzeughändler, ist.

Die Filmlegende George Méliès

George Méliès gab es wirklich. Es muss ganz am Anfang meines Studiums in einer Vorlesung zum Thema Filmgeschichte gewesen sein, als ich zum ersten Mal von George Méliès hörte. Seine Enthusiasmus für das neue Medium und seine Ideen haben mich irgendwie berührt. Besonders das lachende Teiggesicht aus „Reise zum Mond“ und der explodierte Kopf sind mir im Gedächtnis geblieben.

Der Franzose George Méliès (1861-1938) gilt als einer der Pioniere der frühen Filmgeschichte. Zum Ende des 19. Jahrhunderts besuchte er eine der ersten Vorstellungen der Brüder Lumiere. Deren Cinematographe und Filme begeisterten den Zauberkünstler und Theaterbesitzer. Er baute sich eine eigene Filmapparatur und begann selbst Filme zu drehen. Anders als seine Zeitgenossen dokumentierte er nicht einfach nur die Realität. Er begann mit Schnitt, Doppelbelichtungen und Überblendungen zu experimentieren, entwickelte die Stop-Motion-Technik. Er schuf die allerersten Special-Effects und mit „Reise zum Mond“ den ersten Science-Fiction-Film der Kinogeschichte. Tausende von Filmen gehen auf Méliès Konto. Leider brach ihm die Filmbranche das Genick. Seine teuer produzierten Streifen konnten alsbald nicht mehr mit der billigeren Konkurrenz mithalten. 1913 ging Méliès pleite, musste tausende Meter Rohmaterial verkaufen. Später betrieb er mit seiner Frau einen Spielzeugladen auf dem Bahnhof Montparnasse. Der Kinovisionär und seine Filme waren in Vergessenheit geraten.

Martin Scorsese kann auch Happy End

Zurück zur Fiction: Bei Scorsese hat George Méliès mit seiner Vergangenheit abgeschlossen. Er ist verbittert, will nicht mehr an seine Glanzzeiten erinnert werden. Mit ihren Nachforschungen reißen Hugo und Isabelle die alten Wunden auf. Als sich dann auch noch ein Professor für sein Werk zu interessieren beginnt, lässt sich Méliès erweichen und öffnet sich. Das Happy End im Film ist so schön wie die Wirklichkeit selbst.  Einige seiner Filme konnten gerettet und restauriert werden. Und George Méliès ist unvergessen, ist zumindest den Kinoenthusiasten noch immer ein Begriff.

Nachdem ich „Hugo Cabret“ das erste Mal gesehen hatte, verspürte ich den starken Drang, Martin Scorsese einen Brief zu schreiben. Ich wollte ihm danken – dafür dass er die Kinolegende George Méliès mit solch einem schönen Film zurück ins Licht der breiten Öffentlichkeit gebracht hatte – so begeistert war ich. Den Brief habe ich nie geschrieben. Mit meiner Rezension hole ich das jetzt nach.

„Hugo Cabret“ (USA, 2011)
127 Minuten
Darsteller: Asa Butterfield, Chloe Grace Moretz, Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen, Christopher Lee, Helen McCrory, Michael Stuhlbarg, Emily Mortimer, Jude Law, ray Winstone
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: John Logan
Musik: Howard Shore
Kamera: Robert Richardson
Schnitt: Thelma Schoonmaker
Produktion: Johnny Depp, Tim Headington, Graham King, Martin Scorsese

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INCEPTION – Träumst du noch, oder lebst du schon

inception

Was passiert, wenn wir träumen? Wir haben übermenschliche Kräfte, fühlen uns wie Superman. Wir meistern Situationen, in denen wir im Alltag versagen. Manchmal können wir sogar fliegen. Es gibt aber auch Träume, die uns in die Abgründe unserer Seele führen, die uns ängstigen, verstören. Was alle Träume gemeinsam haben, ist die Verletzbarkeit des Träumers. Arglos schlafend liegt er da – wehrlos. Was wäre, wenn unsere Träume manipulierbar wären, wenn jemand unsere Gedanken lenken und für seine Zwecke ausnutzen könnte? Wir wären ihm ausgeliefert.

In „Inception“ (2010) spielt Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan mit dieser Idee und schickt Leonardo DiCaprio auf eine Tour de Farce durch sein Unterbewusstsein. Als Dom Cobb ist DiCaprio so etwas wie ein professioneller Traumdieb. Genauer gesagt kann er sich in die Träume anderer Menschen einklinken und dem Schlafenden Geheimnisse entlocken – seien es brisante Informationen, die Zahlenkombination des Tresors oder der PIN-Code der Oma. Dom und einige Gleichgesinnte haben ihre besondere Fähigkeit zum Geschäftsmodell gemacht. Schwerreiche Sponsoren gibt es zur Genüge. Das Geschäft floriert. Da ist nur ein Haken. Dom lebt und arbeitet im Exil. Er darf nicht zurück in die USA, weil er dort als Mörder auf der Flucht gilt. Sein angebliches Opfer: Mal (Marion Cotillard), seine  Frau und Mutter seiner Kinder. Dabei hat sie sich doch selbst aus dem Fenster gestürzt, so glaubt es Dom zumindest.

Leonardo DiCaprio und seine Traumfrau

Was ist hier Schein und was ist Sein? Wo endet die Realität, und wo beginnt der Traum? Ab einem gewissen Punkt sind die Grenzen fließend. Christopher Nolan verlangt seinen Zuschauern bei „Inception“ einiges ab: Konzentration und vollste Aufmerksamkeit. Wir müssen nicht nur zwischen Traum und Realität unterscheiden, sondern auch noch zwischen mehreren Traumebenen. Denn je höher die Anzahl der Traumebenen, desto tiefer gelangt man als Traumtourist in das Unterbewusstsein seines Opfers. Als Hilfestellung hat Christopher Nolan die unterschiedlichen Ebenen so kontrastreich wie möglich gestaltet. So gleiten wir vom verregneten New York in ein nobles Hotel und von dort zu einer verschneiten Festung, wobei die herkömmlichen Gesetze von Raum und Zeit das ein oder ander Mal mächtig auf den Kopf gestellt werden. Optisch meisterhaft umgesetzt.

„Inception“ ist Augenschmaus und packender Thriller zugleich. Und das Beste ist: Man muss Leonardo DiCaprio nicht einmal mögen, um sich mitreißen zu lassen. Sein neuester Fall ist eine harte Nuss. Er soll einen Millionenerben (Cillian Murphy) überzeugen, das Unternehmen seines Vaters abzustoßen. Doch der junge Schnösel wehrt sich mit Händen und Füßen, ist gegen Traumdiebe gerüstet.

Als Dom kämpft Leonardo DiCaprio dabei nicht nur gegen seine Widersacher, sondern auch gegen seine eigenen Dämonen. Ständig taucht Mal in seinem Träumen auf. Sie verfolgt ihn – wie auch das schlechte Gewissen, die Sehnsucht nach ihr und die Überzeugung, die geliebte Frau in den Tod getrieben zu haben. Immer wieder versucht sie ihn davon zu überzeugen, dass seine Realität nur ein Trugbild, eben ein Traum ist, dass er nur aufwachen muss, um wieder mit ihr vereint zu sein. Natürlich ist es nicht Mal, die zu ihm spricht, sondern der Zweifel, der sich in ihm regt. Am Ende gelingt es Dom, sich von Mal zu lösen. Damit begräbt er auch die nagenden Zweifel. Er kehrt nach Hause zu seinen Kindern zurück. Aber ist er wirklich zurückgekehrt, oder träumt er noch? Darüber wird der Zuschauer im Ungewissen gelassen.

Hat euch das Finale auch so verstört? Lebt er am Ende sein Leben oder seinen Traum? Was meint ihr?

Inception (USA, 2010)
148 Minuten
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Marion Cotillard, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Cillian Murphy, Tom Berenger, Michael Caine, Ken Watanabe, Lukas Haas, Pete Postlethwaite, Dileep Rao
Regie, Drehbuch: Christopher Nolan
Produktion: Christopher Nolan, Emma Thomas
Kamera: Wally Pfister
Schnitt: Lee Smith
Musik: Hans Zimmer

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FARGO: Film oder Serie, das ist hier die Frage

fARGO

Schenkt man Joel und Ethan Coen Glauben, sind die Winter in Minnesota schneereich, die Leute – sagen wir mal – etwas verschlafen und die Mordrate ungewöhnlich hoch. Und die Coen-Brüder müssen es wissen, schließlich stammen sie aus Minnesota. Sumpf des Verbrechens ist Fargo – gleich um die Ecke im Nachbarstaat North Dakota. Von dort kommen sie: schießwütige Kopfgeldjäger, Gauner, die für einen Appel und ein Ei morden.

Mit ihrem gleichnamigen Film (1996) haben die Coens der Stadt Fargo wohl einen Bärendienst erwiesen. Sicher gibt es dort genauso viele rechtschaffende Menschen wie anderswo auch. Und als wäre ein Film wie „Fargo“ fürs städtische Image nicht schon schlimm genug, gab US-Sender FX 17 Jahre später gleich noch eine Fernsehserie namens „Fargo“ in Auftrag, die nicht minder blutig ist. Aber reicht sie an das Original heran? Film oder Serie – das ist hier die Frage.

Neue Schauspieler, neue Charaktere und mit Noah Hawley ein neuer Schöpfer (obwohl die Coens als executive producers ihre Finger mit drin haben) – auf den ersten Blick haben Film und Serie wenig miteinander zu tun. Der Film spielt in den 1980ern in Minneapolis und im Provinzkaff Brainerd, die Serie gut 20 Jahre später hauptsächlich in Bemidji.

Leichen pflastern ihren Weg

Auf den zweiten Blick gibt es etliche Parallelen. Da ist der Spießer, vom Leben gebeutelt, der nicht mehr weiter kann, der plötzlich mehr will. Im Film ist es der erfolglose Autoverkäufer Jerry (William H. Macy), der in Geldnöte geraten ist und zwei Verbrecher aus Fargo (da haben wir es) anheuert, die seine Frau entführen sollen. „Ohne Gewalt“ gibt er den Halunken (Steve Buscemi, Peter Stormare) mit auf den Weg, denn er will ja nur Lösegeld vom geizigen Schwiegervater erpressen. Aber mit Verbrechern ist das so eine Sache. Die machen gern ihr eigenes Ding, erschießen Streifenpolizisten auf der Flucht, verpatzen Geldübergaben, töten sogar das Opfer – so dass Jerry am Ende weder Frau noch Geld hat.

Was für Normalsterbliche wie ein Fluch klingt, ist für Polizisten ein Segen: Immer was zu tun. Dabei hat Marge (Frances McDormand) ganz andere Sorgen. Die Polizeichefin von Brainerd ist hochschwanger, und sie hat ständig Hunger. Wenn sie nicht gerade isst oder mit Ehemann Norm im Bett liegt, verfolgt Marge also die Spuren, die die beiden Verbrecher hinterlassen haben. Und das sind nicht nur die Leichen, die ihren Weg pflastern, sondern auch Prostituierte, die die Entführer haarklein beschreiben können. („Der Kleine sah irgendwie schräg aus.“ – „In welcher Hinsicht?“ – „Ich weiß nicht, irgendwie schräg.“) Trotz solcher Aussagen und mit Hilfe ihres Spürsinns kann Marge den Betrüger und die Verbrecher schließlich überführen. Obwohl von letzteren dank einer Häckselmaschine nicht mehr viel übrig ist.

Wenn der Postmann zweimal klingelt

Was Jerry für den Film ist, ist für die Serie Versicherungsvertreter Lester (Martin Freeman). Wer Freeman in „Sherlock“ und „Der Hobbit“ schätzt, lernt ihn hier ganz anders kennen. Denn sein Lester ist das traurigste Würstchen von ganz Minnesota. Auf Arbeit belächelt, von der Frau tyrannisiert – er ist bedauernswert, klein, unbedeutend. Wie der Zufall will, trifft er Auftragskiller Malvo (Billy Bob Thornton). Er klagt ihm sein Leid, und am nächsten Tag ist einer seiner Widersacher tot. Zufall?

Lesters Leben ändert sich kurz darauf schlagartig (im wahrsten Sinne des Wortes), als er seine Frau im Streit mit dem Hammer niederstreckt: Erfolg im Beruf, eine Affäre und schließlich eine neue (nette) Ehefrau, wenn nur Mitwisser Malvo und die beiden aufgescheuchten Gangster aus Fargo (!) nicht wären – und die Polizei, die ihm auf den Fersen ist. Oder besser gesagt die Polizistin. Molly (Allison Tolman) ist genauso sympathisch, hartnäckig und bedächtig wie Marge, aber nicht schwanger. – Zumindest zu Anfang der Staffel nicht. Das ändert sich aber, wenn sie Polizist/Postmann Gus (Colin Hanks) kennen lernt. – Anders als Marge muss sich Molly bei den Ermittlungen gegen ihren Chef durchsetzen, ist sie doch die einzige, die nicht an Lesters Unschuld glaubt. Aber sie lässt sich nicht beirren. So viel zur Haupthandlung.

Die Serie ist durchsetzt mit allerhand Nebenschauplätzen – und das ist auch ihre große Schwäche. Das Verbrechersyndikat in Fargo, die biblischen Plagen für den Supermarkt-König (Oliver Platt), die Zahnarzt-Tarnung von Malvo, selbst die Liebelei mit Gus – nette Ideen, aber sie lenken ab, verwirren, durchbrechen die Spannung und sorgen für einige Längen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Man hätte die Handlung durchaus um einige Folgen kürzen können, dem Spannungsaufbau hätte es gut getan. Was der Serie vor allem fehlt, ist der bitterböse Humor der Coen-Brüder, ihr Gespür für skurrile Dialoge, für das Wesen der Menschen von Minnesota, für schräge Charaktere (in welcher Hinsicht? Schräge eben). Das ist es, was den Film zu einem Vergnügen für jeden Kinoenthusiasten, zu einen Juwel mit Kultcharakter macht. Die Serie ist in weiten Teilen spannend und sehenswert, hat mit Freeman und Thornton zwei echte Hochkaräter und erinnert vom Setting her stark an die filmische Vorlage. Dennoch wirkt sie wie ein Aufguss. Oberflächlich stark, im Nachgeschmack aber schal und leider x-beliebig.

Dem Erfolg tat es keinen Abbruch, Staffel 2 (mit Kirsten Dunst, Ted Danson und Patrick Wilson) ist längst abgedreht und auf diversen Streaming-Anbietern zu sehen, Staffel 3 ist in Vorbereitung. Was hat euch besser gefallen: Film oder Serie? Und was viel wichtiger ist: Lohnt sich Staffel 2. Schreibt mir, was ihr denkt.

Fargo – Blutiger Schnee (USA, GB 1996)
98 Minuten
Darsteller: Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Harve Presnell, Peter Stormare, John Carroll Lynch, Bruce Campbell, Kristin Rudrüd
Regie: Joel Coen
Drehbuch/Schnitt: Joel und Ethan Coen,
Produktion: Ethan Coen
Kamera: Roger Deakins
Musik: Carter Burwell

Fargo – Staffel 1, 2014 (USA)
10 Folgen
Darsteller: Martin Freeman, Billy Bob Thornton, Allison Tolman, Colin Hanks, Bob Odenkirk, Keith Carradine, Kate Welsh, Russell Harvard, Adam Goldberg, Oliver Platt
Idee: Noah Hawley
Musik: Jeff Russo
Produktion: Kim Todd, Chad Oakes, Michael Frislev

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EX MACHINA – Wenn sich die Kreatur gegen ihren Schöpfer wendet

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„Ex Machina“ mit Alicia Vikander, Domhnall Gleeson und Oscar Isaac.

Sie sind unter uns: Roboter mit künstlicher Intelligenz. Sie geben sich als Menschen aus, sind kaum von ihnen zu unterscheiden. Und Schuld hat Domhnall Gleeson. In „Ex Machina“ (2015) geht er einem solchen Roboter auf den Leim. Mit weitreichenden Folgen.

Programmierer Caleb (Gleeson) kann sein Glück kaum fassen. Dank eines firmeninternen Gewinnspiels darf er seinen Boss Nathan (Oscar Isaac), den Entwickler der weltweit größten Internetsuchmaschine, treffen. Der lebt abgeschottet von der Zivilisation in einem Bunker. Die Einöde hat einen Grund. In seiner unterirdischen Festung spielt Nathan Gott, tüftelt heimlich an der Erschaffung künstlicher Intelligenz. Seine neueste Kreation ist Ava (Alicia Vikander). Ist ihr künstlicher Geist dem des Menschen ebenbürtig? Caleb soll es in einem einwöchigen Test herausfinden.

Schon beim ersten Treffen wickelt Ava den naiven Computer-Nerd um den mechanischen Finger. Caleb verfällt dem Frauboter, ist schnell von der Menschlichkeit der Maschine überzeugt, will ihr sogar zur Flucht verhelfen. Aber ist wirklich Ava das Testobjekt? Oder ist er es selbst, der in die Falle getappt ist?

Was muss im Leben eines Mannes falsch gelaufen sein, damit er sich Hals über Kopf in eine Roboterfrau verliebt – selbst wenn sie noch so rehäugig ausschaut? Emotionale Defizite? Extreme Einsamkeit?  – Das wird in „Ex Machina“ nicht beantwortet. Das Regie-Debüt von Drehbuchautor Alex Garland („The Beach“, „Sunshine“, „Alles, was wir geben mussten“) kommt als hippes Kammerspiel daher – mit kühlen durchgestylten Bildern und New-Age-Geklimper. Thematisch bedient sich Garland offensichtlich bei E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ und Mary Shelleys „Frankenstein“: der Mann, der sich in eine Automaten-Frau verliebt, und die Kreatur, die sich gegen ihren Schöpfer wendet. Garlands Leitmotiv ist jedoch die Frage nach der Menschlichkeit und deren Folgen. Was macht einen Menschen aus? Es ist nicht die Fähigkeit, bei anderen Empathie zu erzeugen – so wie Ava es vermag. Vielmehr ist es die Gabe, Empathie zu empfinden – sogar für Maschinen. Calebs Menschlichkeit ist gleichzeitig seine Schwäche. Am Ende wird sie ihm zum Verhängnis. Was sagt das über die Gesellschaft von heute aus?

Alex Garlands Sci-Fi-Thriller avancierte vom Geheimtipp zum oscarprämierten Filmhit (Academy Award für die besten Spezialeffekte). Dabei ist Thriller wahrscheinlich die falsche Genrebezeichnung. Über weite Teile ist Garlands Erzählweise unaufgeregt – wenn auch auf beklemmende Art. So wie der Spannungsbogen, den der Regisseur aufbaut, und dem man sich als Zuschauer bald nicht mehr entziehen kann. Hauptfigur Caleb hat sich in einem Spinnennetz verfangen, ohne es zu bemerken. Sein Schicksal ist in dem Moment besiegelt, in dem er den Bunker betritt. Die Spinne nähert sich leise, bedient sich der Täuschung. Verstörend ist das Finale, wenn das scheinbar zarte Roboterwesen zusticht, kalt und ohne Skrupel – wie eine Maschine eben oder wie eine Spinne auf Beutezug.

Ex Machina (GB, 2015), 108 Minuten
Darsteller: Alicia Vikander, Domhnall Gleeson, Oscar Isaac, Sonoya Mizuno
Regie, Drehbuch: Alex Garland
Kamera: Rob Hardy,
Schnitt: Mark Day
Musik: Geoff Barrow, Ben Salisbury
Produktion: Andrew MacDonald, Allon Reich

Spannend oder langatmig – was haltet ihr von „Ex Machina“? Hättet ihr euch von Alicia

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HAIL, CAESAR! – Liebeserklärung an die Filmbranche der 50er

Hail, Casar!

„Hail, Caesar!“: Josh Brolin als Hollywood-Fixer Eddie Mannix. Foto: Universal Pictures

Wer es bei Capitol Pictures schaffen will, hält sich besser an Eddie Mannix. Als Fixer (Produktionsmanager) ist er in Hollywood der Mann für alles. Er hat ein Auge auf kapriziöse Filmstars, sorgt dafür, dass die Dreharbeiten für die neuesten Blockbuster der Traumfabrik wie am Schnürchen laufen, kehrt kleinere und größere Skandale unter den Studioteppich. Denn das Schlimmste, das Allerschlimmste, was einem Filmproduzenten passieren kann, ist dass sein Star von Klatschreportern ins falsche Licht gerückt wird. Nicht auszudenken …

Mit „Hail, Caesar!“ haben Joel und Ethan Coen diesem Eddie Mannix ein weiteres filmisches Denkmal gesetzt. Denn den Fixer von Hollywood gab es wirklich. Mannix war in den 1930er und 1940er Jahren berühmt-berüchtigt. Die Vertuschung von Vergewaltigungen oder außerehelichen Kindern war dabei für ihn eher alltägliche Routine. Der Mann, so munkelt man, schreckte nicht einmal vor Mordkomplotts zurück, wenn sie der Sache dienten.

Die doppelte Tilda Swinton

Gegen den echten Mannix – oder das, was die Legendenschreiber von Hollywood aus ihm gemacht haben – ist der von Josh Brolin gespielte Fixer ein wahrer Sonnenschein, dessen größte Sünden heimliche Zigaretten sind. Die Coen-Brüder zeigen ihn als patenten wie korrekten Workaholic, der beinahe täglich am Burnout vorbei zu schrammen scheint. Er hat aber auch viel um die Ohren.

Da ist Wassernixe DeeAnna (Scarlett Johansson), die von einem verheirateten Regisseur schwanger ist. Da ist der dümmliche Westernheld Hobie Doyle (Alden Ehrenreich), der von hier auf jetzt zum Charakterdarsteller aufgebaut werden soll. Da sind die unheimliche Klatschkolumnistin Thora (Tilda Swinton) und ihre noch viel unheimlichere Zwillingsschwester Thessaly (Tilda Swinton), die immer in den unpassendsten Momenten auftauchen und den vom Stress gebeutelten Mannix fast zu Tode erschrecken. Da ist der überteuerte Monumentalfilm, dessen Dreharbeiten kurz vor dem Abschluss stehen, als plötzlich Hauptdarsteller Baird Whitlock (George Clooney) von einer Horde unterbezahlter kommunistischer Drehbuchautoren gekidnappt wird und sich dann auch noch mit ihnen verbrüdert. Und das ist nur ein Tag im Leben von Eddie Mannix. Der Mann ist nicht zu beneiden, aber er lebt und liebt seinen Job – so sehr, dass er am Ende sogar das lukrative Angebot eines Headhunters ausschlägt.

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„Hail, Caesar!“: Scarlett Johansson wandelt auf den feuchten Spuren von Esther Williams. Foto: Universal Pictures

„Hail, Caesar!“ ist als Episodenfilm angelegt. Als roter Faden dient Fixer Mannix , dem der Zuschauer ein paar Stunden lang bei seiner Arbeit über die Schulter schauen darf. Und das ist amüsant, vor allem wenn man die vielen Anspielungen der Coen-Brüder auf das Starsystem Hollywoods sowie auf Filmbranche und die Stars der 50er Jahre versteht – ob Western, Synchronschwimm-Spektakel, opulent ausgestattete Liebesschmonzette oder Sandalen-Epos, ob Audie Murphy, Esther Williams, Gene Kelly oder Hedda Hopper.

Selbst wenn es nicht um den Film im Film geht, bedienen sich die Coen-Brüder gewollt klischeehaft bei Genres wie dem Horrorfilm (Thora und Thessaly) oder dem Film Noir (Jonah Hill). Ganz nach dem Motto: Lange nicht gesehen und trotzdem wieder erkannt. Das macht den Film so unwiderstehlich. In jeder Szene ist die Liebe zum Kino zu spüren, die Begeisterung der Coens für die Filme der 50er Jahre – eine Zeit, in der auf der Leinwand noch heile Welt herrschte, es aber hinter den Kulissen mächtig brodelte. Man denke an Kommunistenverfolgung, Rassentrennung, Generationskonflikte. Eine Zeit des Wandels – auch was den Film als Unterhaltungs- und Kunstmedium betrifft.

Das rätselhafte Verschwinden von Dolph Lundgren

Was von „Hail, Caesar!“ im Gedächtnis bleibt, ist die Freude über die kleinen Momente des Erkennens, des Erinnerns. Beispielsweise der Matrosentanz von Channing Tatum und das Wasserballett von Scarlett Johansson als Hommagen an Gene Kelly und Esther Williams. Dagegen ist die Szene von Dolph Lundgren als russischer U-Boot-Kommandeur für immer im filmischen Mülleimer gelandet. Ob das gut ist oder schlecht ist, da ringe ich noch mit mir.

Das größte Plus ist aber nicht die Star-Riege um Tatum, Johansson, Clooney und Brolin, sondern Alden Ehrenreich. Der 26-jährige Amerikaner spielt als unterbelichteter aber liebenswerter Rodeoreiter sprichwörtlich jeden an die Wand. („Wenn man Statisten sieht, weiß man nie, was der denken tut.“) Als Charakterdarsteller wider Willen mag seinem Hobie Doyle das freudlose Lächeln und die korrekte Aussprache von“bloß“ zwar nicht so recht gelingen. Am Ende ist er es aber, der den Kopf der Kommunistenbande überführt. Ehrenreich ist die Entdeckung des Films. Von ihm wollen wir mehr sehen.

„Hail, Caesar!“ (USA, GB)
106 Minuten
Darsteller: Josh Brolin, George Clooney, Tilda Swinton, Alden Ehrenreich, Channing Tatum, Scarlett Johansson, Ralph Fiennes, Jonah Hill, Frances McDormand, Christopher Lambert, Fisher Stevens
Regie, Drehbuch, Schnitt: Joel und Ethan Coen
Produktion: Joel und Ethan Coen
Musik: Carter Burwell
Kamea: Roger Deakins

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Na endlich – Leo kriegt den Oscar

88th Oscars®, Academy Awards, Press Rooms

Die strahlenden Gewinner der 88. Academy Awards (von links): Mark Rylance, Brie Larson, Leonardo DiCaprio und Alicia Vikander. Foto: Phil McCarten/A.M.P.A.S.

Dem großen Manitu sei dank – Leonardo DiCaprio hat endlich seinen Oscar bekommen. Fünf Mal war DiCaprio zuvor leer ausgegangen. Mit der Hauptrolle im Survival-Drama „The Revenant“ konnte er die Academy-Mitglieder nun überzeugen. Seine „Krönung“ zum besten Schauspieler war der Höhepunkt der 88. Academy Awards. Und was musste Leo nicht alles erleiden als vom Bären angefressener und von Hass zerfressener Trapper in der amerikanischen Wildnis. Er habe während der Dreharbeiten seelisch und körperlich leiden müssen, betonte DiCaprio zuvor in etlichen Interviews. Man gewann fast den Eindruck, als habe ihn Regisseur Alejandro G. Inarritu gezwungen, auch während der Drehpausen hungernd und frierend in einem vereisten Erdloch auszuharren – als sei er genötigt worden, die Rolle zu übernehmen und dafür eine Millionengage einzustreichen. Spaß beiseite: In „The Revenant“ lieferte DiCaprio zwar nicht die beste Leistung seiner Karriere ab, wohl aber die, die am nachhaltigsten im Gedächtnis bleibt. Absolut oscarwürdig!

Leonardo DiCaprios Sieg kam nicht überraschend, hatte er doch zuvor bei zahlreichen anderen Preisverleihungen abgeräumt. Wie auch Brie Larson, die für ihre Hauptrolle in „Room“ ausgezeichnet wurde. So hatten viele Oscar-Fans auch Sylvester Stallone auf dem Zettel. In „Creed“ war der inzwischen 69-jährige Hollywood-Haudegen bereits zum siebten Mal in die Rolle des Boxers Rocky Balboa geschlüpft. Zur großen Verwunderung wurde aber Mark Rylance zum besten Nebendarsteller gekürt, der in „Bridge of Spies“ einen russischen Spion spielte. Ganz so vorhersehbar entscheiden die Academy-Mitglieder eben doch nicht immer. Den Oscar für die beste Nebendarstellerin erhielt Alicia Vikander. Die Schwedin glänzte als Frau von „The Danish Girl“ Eddie Redmayne.

Bester Film des Jahres ist das Enthüllungs-Drama „Spotlight“. „The Revenant“ gewann weitere Preise für die beste Regie (Alejandro G. Inarritu) und Kamera (Emmanuel Lubezki). Die Nase vorn hatte jedoch ein anderer Film. Insgesamt sechs Oscars (darunter bester Schnitt, beste Kostüme, bester Ton) gingen an George Millers Endzeit-Action-Kracher „Mad Max: Fury Road“. Das ist auch mal ein Statement.

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US-Komiker Chris Rock führte mit beißendem Spott durch die Show. Foto: Marc Suban/A.M.P.A.S.

Allerdings waren es nicht wirklich Filme, die im Mittelpunkt der diesjährigen Oscar-Verleihung standen. Die Diversity-Debatte hatte vorab für Schlagzeilen gesorgt. Die Academy musste heftige Kritik einstecken, weil zum zweiten Mal in Folge keine schwarzen Darsteller nominiert waren. Und das Thema bestimmte auch die Show. Moderator und Komiker Chris Rock erwies sich als echter Glücksgriff und teilte mächtig aus – gegen die Academy, gegen die Filmindustrie, aber auch gegen seine schwarzen Kollegen – so etwa gegen Jada Pinkett Smith. Die Frau von Will Smith hatte angekündigt, die Oscar-Verleihung zu boykottieren. Wie sie etwas boykottieren könne, zu dem sie gar nicht eingeladen sei, ätzte Chris Rock und hatte die Lacher (meist) auf seiner Seite. Was die schwarzen Filmschaffenden wirklich bräuchten, seien Chancen – also gute Rollen in guten Filmen. Recht hat er.

Für einen der rührendsten Momente der Show sorgte Ennio Morricone. Der 87-jährige Kult-Komponist des Spaghetti-Western erhielt den ersten, längst überfälligen Oscar seiner Karriere (den Ehren-Oscar ausgenommen) für die Filmmusik in Quentin Tarantinos Schnee-Western „The Hateful 8“. Gänsehaut-Stimmung verbreitete Musiker Dave Grohl mit dem Beatles-Klassiker „Blackbird“, als traditionell an die in den vergangenen zwölf Monaten verstorbenen Kollegen erinnert wurde.

Weitere emotionale Momente? Fehlanzeige. Nach dem grandiosen Auftakt von Chris Rock geriet die Show zur nüchternen Ansage der Gewinner. Daran konnten auch die Auftritte von Sam Smith (unterirdisch), Lady Gaga und Weeknd nichts ändern. Ein sprichwörtlicher Griff ins Klo war die Einblendung der Personen, denen die Preisträger dankten. Die Namen liefen viel zu schnell durchs Bild, erinnerten eher an Börsenkurse als an eine nette Geste. Eine völlig unnötige Neuerung, zumal die meisten Namen während der Dankesreden wiederholt wurden. Inakzeptabel und respektlos war wieder einmal auch, dass die Dankesworte nach ein paar Sekunden durch Musik abgewürgt wurden. Lediglich Leonardo DiCaprio, der eine flammende Rede auf den Umweltschutz hielt, wurde nicht unterbrochen.

Und das ist auch, was von den 88. Academy Awards in Erinnerung bleibt: DiCaprios Worte und das strahlende Lächeln eines Siegers.

PS: Ich lese gerade, ich habe bei Ma-Gos Oscar-Tippspiel den zweiten Platz gewonnen. Das ist doch mal was 🙂

Die Preisträger der 88. Academy-Awards

Bester Film: „Spotlight“
Bester Hauptdarsteller: Leonardo DiCaprio, „The Revenant“
Beste Hauptdarstellerin: Brie Larson, „Room“
Bester Nebendarsteller: Mark Rylance, „Bridge of Spies“
Beste Nebendarstellerin: Alicia Vikander, „The Danish Girl“
Beste Regie: Alejandro González Iñárritu, „The Revenant“
Beste Kamera: Emmanuel Lubezki, „The Revenant“
Bester Filmsong: Sam Smith und Jimmy Napes, „Writing’s on the „Wall“ aus „James Bond 007: Spectre“
Beste Filmmusik: Ennio Morricone, „The Hateful 8“
Bester fremdsprachiger Film: László Nemes, „Son of Saul“
Bestes adaptiertes Drehbuch: Adam McKay und Charles Randolph, „The Big Short“
Bestes Originaldrehbuch: Tom McCarthy und Josh Singer, „Spotlight“
Bester Kurzfilm: Serena Armitage und Benjamin Cleary, „Stutterer“
Bester Dokumentarfilm: Asif Kapadia und James Gay-Rees, „Amy“
Bester Dokumentar-Kurzfilm: Sharmeen Obaid-Chinoy, „A Girl in the River: The Price of Forgiveness“
Bester Animationsfilm: Pete Docter und Jonas Rivera, „Alles steht Kopf“
Bester animierter Kurzfilm: Gabriel Osorio und Pato Escala, „Bear Story“
Beste visuelle Effekte: Mark Williams Ardington, Sara Bennett, Paul Norris und Andrew Whitehurst, „Ex Machina“
Bester Ton: Chris Jenkins, Gregg Rudloff und Ben Osmo, „Mad Max: Fury Road“
Bester Tonschnitt: Mark A. Mangini und David White, „Mad Max: Fury Road“
Bester Schnitt: Margaret Sixel, „Mad Max: Fury Road“
Bestes Make-up und Frisuren: Lesley Vanderwalt, Elka Wardega und Damian Martin, „Mad Max: Fury Road“
Bestes Szenenbild: Colin Gibson und Lisa Thompson, „Mad Max: Fury Road“
Bestes Kostümdesign: Jenny Beavan, „Mad Max: Fury Road“

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Oscar für Besserwisser

88th Oscars®, Academy Awards, Wednesday Rehearsals

Warten auf Oscar: Am Sonntag wird in Los Angelos der begehrteste Filmpreis der Welt verliehen. Foto: Richard Harbaugh / ©A.M.P.A.S.

Die 88. Academy Awards stehen vor der Tür. Ihr habt keinen blassen Schimmer, wollt aber dennoch beim Smalltalk glänzen? Dann seid ihr bei mir genau richtig. Hier bekommt ihr jede Menge unnützes Oscar-Wissen, mit dem ihr Eindruck schinden könnt. Und los geht’s.

Zu aller erst: Wer ist eigentlich dieser Oscar? Die berühmte Statue zeigt einen Ritter, der ein Schwert hält und auf einer Filmrolle steht. Wie es heißt, wurde die nackte Figur ohne ein männliches Modell kreiert (hört, hört). Die Statue ist genau 34,29 Zentimeter hoch, ganze 3,856 Kilogramm schwer und mit einer 24-karätigem Goldschicht überzogen. Offiziell heißt der begehrte Filmpreis „Academy Award of Merit“. Inoffizieller Name ist Oscar – und das schon seit den 1930er Jahren. Woher der Name rührt, fällt inzwischen ins Reich der Hollywood-Legenden. Angeblich soll eine Academy-Sekretärin beim Anblick der Statue gesagt haben: „Der sieht ja aus wie mein Onkel Oscar.“

Ein paar Oscar-Rekorde gefällig? Als jüngste Gewinnerin aller Zeiten wird Tatum O’Neal geführt. Als sie für ihre Nebenrolle in „Paper Moon“ (1973) gewann, war sie zehn Jahre alt. Nicht unter den Tisch fallen gelassen werden darf Shirley Temple. Mit sechs Jahren wurde ihr ein Sonderpreis (ein Miniatur-Oscar) für ihren herausragenden Beitrag zur Filmunterhaltung überreicht. Die älteste Gewinnerin war bisher die 94-jährige Maureen O’Hara, die 2014 für ihr Lebenswerk geehrt wurde. Jessica Tandy war immerhin 81, als sie für die beste Hauptrolle in „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ ausgezeichnet wurde. Die Schauspielerin mit den bisher meisten Nominierungen ist Meryl Streep. Sie wurde bereits 16 Mal nominiert, in diesem Jahr geht sie aber leer aus. Bei den Männern ist Jack Nicholson mit zwölf Nominierungen an der Spitze. Katharine Hepburn hält den Rekord der Schauspielerin mit den meisten Oscars. Sie konnte im Laufe ihrer Karriere vier Stück einheimsen.

Und nun zur aktuellen Verleihung: Für die Kategorie bester Film standen 307 Filme zur Auswahl. Acht davon schafften es auf die Liste der Nominierten. Mit 25 Jahren ist Schauspielerin Jennifer Lawrence die jüngste Vierfach-Nominierte. Für Überraschung hat die Nominierung von Sylvester Stallone als Rocky Balboa in „Creed“ gesorgt. Dabei wurde er bereits 1976 für „Rocky“ nominiert, als bester Schauspieler und für das beste Drehbuch. Kameramann Roger Deakins („Sicario“) ist zum 13. Mal nominiert, Komponist John Williams bereits zum 45. !!! Mal für den besten Soundtrack („Star Wars: The  Force Awakens). Der Film mit den meisten Nominierungen in diesem Jahr – nämlich zwölf – ist „The Revenant“, gefolgt von „Mad Max: Fury Road“ mit zehn Nominierungen.

Wer entscheidet eigentlich über die Gewinner? Die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Science, derzeit 6261 an der Zahl. Die Stimmzettel müssen bis spätestens eine Woche vor der Verleihung bei der Academy eingegangen sein und werden von vereidigten Notaren ausgezählt. In diesem Jahr geriet die Academy in die Kritik. Zum zweiten Mal in Folge wurden nur weiße Darsteller nominiert. Auch in den anderen Kategorien dominierte die Farbe Weiß. Diversität – Fehlanzeige. Einige schwarze Filmschaffende wie Will Smith und Spike Lee hatten daraufhin angekündigt, die Verleihung zu boykottieren. Presenter Chris Rock soll sogar seine Moderation umgeschrieben haben. Die Academy reagierte und kündigte Reformen bei der Auswahl ihrer Mitglieder an. Ob das die erwünschte Veränderung bringt, ist allerdings zu bezweifeln. So viel dazu.

Was spricht dagegen, sich die Oscarverleihung in der Nacht zum 29. Februar anzutun?  Weil sich die „Berichterstattung“ vom Red Carpet endlos in die Länge zieht. Wenn es dann endlich losgeht, ist es 3 Uhr morgens (montagmorgens!!!) – eine unmögliche Zeit für Berufstätige. Weil die Academy angekündigt hat, dass in diesem Jahr die Dankesreden der Gewinner flachfallen. (Die Reden waren bisher immer ein Garant für rührende bis peinliche Fremdschäm-Momente.) Weil es bei den Oscars nicht um wahre Filmkunst, sondern eher um Kommerz geht.

Weshalb ihr euch die Oscars trotzdem live anschauen solltet: Weil man Schlaf nachholen kann. Weil die Show trotz einiger Pannen in den vergangenen Jahren einfach unglaublich unterhaltsam ist. Wann sieht man schon mal so viele Stars auf einem Haufen? Um live mitzuerleben, wie Leonardo DiCaprio den ersten Oscar seiner Karriere gewinnt. Um euren anderen Favoriten die Daumen zu drücken. Um sich mit Fans in aller Welt (die Verleihung wird in 225 Länder übertragen) zeitgleich für eine der schönsten Nebensachen überhaupt zu begeistern – für Kino.

Lest dazu auch „Die Nominierungen“, „Kein Platz für Helden – The Revenant“ , „The Hateful 8 – Was ist los Mr. Tarantino?“ und „Welcome back – Mad Max: Fury Road“ .

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