Oscar für Besserwisser

88th Oscars®, Academy Awards, Wednesday Rehearsals

Warten auf Oscar: Am Sonntag wird in Los Angelos der begehrteste Filmpreis der Welt verliehen. Foto: Richard Harbaugh / ©A.M.P.A.S.

Die 88. Academy Awards stehen vor der Tür. Ihr habt keinen blassen Schimmer, wollt aber dennoch beim Smalltalk glänzen? Dann seid ihr bei mir genau richtig. Hier bekommt ihr jede Menge unnützes Oscar-Wissen, mit dem ihr Eindruck schinden könnt. Und los geht’s.

Zu aller erst: Wer ist eigentlich dieser Oscar? Die berühmte Statue zeigt einen Ritter, der ein Schwert hält und auf einer Filmrolle steht. Wie es heißt, wurde die nackte Figur ohne ein männliches Modell kreiert (hört, hört). Die Statue ist genau 34,29 Zentimeter hoch, ganze 3,856 Kilogramm schwer und mit einer 24-karätigem Goldschicht überzogen. Offiziell heißt der begehrte Filmpreis „Academy Award of Merit“. Inoffizieller Name ist Oscar – und das schon seit den 1930er Jahren. Woher der Name rührt, fällt inzwischen ins Reich der Hollywood-Legenden. Angeblich soll eine Academy-Sekretärin beim Anblick der Statue gesagt haben: „Der sieht ja aus wie mein Onkel Oscar.“

Ein paar Oscar-Rekorde gefällig? Als jüngste Gewinnerin aller Zeiten wird Tatum O’Neal geführt. Als sie für ihre Nebenrolle in „Paper Moon“ (1973) gewann, war sie zehn Jahre alt. Nicht unter den Tisch fallen gelassen werden darf Shirley Temple. Mit sechs Jahren wurde ihr ein Sonderpreis (ein Miniatur-Oscar) für ihren herausragenden Beitrag zur Filmunterhaltung überreicht. Die älteste Gewinnerin war bisher die 94-jährige Maureen O’Hara, die 2014 für ihr Lebenswerk geehrt wurde. Jessica Tandy war immerhin 81, als sie für die beste Hauptrolle in „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ ausgezeichnet wurde. Die Schauspielerin mit den bisher meisten Nominierungen ist Meryl Streep. Sie wurde bereits 16 Mal nominiert, in diesem Jahr geht sie aber leer aus. Bei den Männern ist Jack Nicholson mit zwölf Nominierungen an der Spitze. Katharine Hepburn hält den Rekord der Schauspielerin mit den meisten Oscars. Sie konnte im Laufe ihrer Karriere vier Stück einheimsen.

Und nun zur aktuellen Verleihung: Für die Kategorie bester Film standen 307 Filme zur Auswahl. Acht davon schafften es auf die Liste der Nominierten. Mit 25 Jahren ist Schauspielerin Jennifer Lawrence die jüngste Vierfach-Nominierte. Für Überraschung hat die Nominierung von Sylvester Stallone als Rocky Balboa in „Creed“ gesorgt. Dabei wurde er bereits 1976 für „Rocky“ nominiert, als bester Schauspieler und für das beste Drehbuch. Kameramann Roger Deakins („Sicario“) ist zum 13. Mal nominiert, Komponist John Williams bereits zum 45. !!! Mal für den besten Soundtrack („Star Wars: The  Force Awakens). Der Film mit den meisten Nominierungen in diesem Jahr – nämlich zwölf – ist „The Revenant“, gefolgt von „Mad Max: Fury Road“ mit zehn Nominierungen.

Wer entscheidet eigentlich über die Gewinner? Die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Science, derzeit 6261 an der Zahl. Die Stimmzettel müssen bis spätestens eine Woche vor der Verleihung bei der Academy eingegangen sein und werden von vereidigten Notaren ausgezählt. In diesem Jahr geriet die Academy in die Kritik. Zum zweiten Mal in Folge wurden nur weiße Darsteller nominiert. Auch in den anderen Kategorien dominierte die Farbe Weiß. Diversität – Fehlanzeige. Einige schwarze Filmschaffende wie Will Smith und Spike Lee hatten daraufhin angekündigt, die Verleihung zu boykottieren. Presenter Chris Rock soll sogar seine Moderation umgeschrieben haben. Die Academy reagierte und kündigte Reformen bei der Auswahl ihrer Mitglieder an. Ob das die erwünschte Veränderung bringt, ist allerdings zu bezweifeln. So viel dazu.

Was spricht dagegen, sich die Oscarverleihung in der Nacht zum 29. Februar anzutun?  Weil sich die „Berichterstattung“ vom Red Carpet endlos in die Länge zieht. Wenn es dann endlich losgeht, ist es 3 Uhr morgens (montagmorgens!!!) – eine unmögliche Zeit für Berufstätige. Weil die Academy angekündigt hat, dass in diesem Jahr die Dankesreden der Gewinner flachfallen. (Die Reden waren bisher immer ein Garant für rührende bis peinliche Fremdschäm-Momente.) Weil es bei den Oscars nicht um wahre Filmkunst, sondern eher um Kommerz geht.

Weshalb ihr euch die Oscars trotzdem live anschauen solltet: Weil man Schlaf nachholen kann. Weil die Show trotz einiger Pannen in den vergangenen Jahren einfach unglaublich unterhaltsam ist. Wann sieht man schon mal so viele Stars auf einem Haufen? Um live mitzuerleben, wie Leonardo DiCaprio den ersten Oscar seiner Karriere gewinnt. Um euren anderen Favoriten die Daumen zu drücken. Um sich mit Fans in aller Welt (die Verleihung wird in 225 Länder übertragen) zeitgleich für eine der schönsten Nebensachen überhaupt zu begeistern – für Kino.

Lest dazu auch „Die Nominierungen“, „Kein Platz für Helden – The Revenant“ , „The Hateful 8 – Was ist los Mr. Tarantino?“ und „Welcome back – Mad Max: Fury Road“ .

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13 Gedanken zu “Oscar für Besserwisser

  1. Das mit den gestrichenen Dankesreden ist einfach der größte Humbug, den sich der Karevalsverein namesn Academy jemals hat einfallen lassen. Die Dankesreden bestanden ja nicht ausschließlich aus „Danke Mama, danke Papa, danke Gott …“. Man muss sich alleine mal Dankesreden von Jim Carrey angucken, um zu sehen, dass die absolut unterhaltsam sein können. Aber gut, das würde ja auch nicht zur Veranstaltung passen, denn Unterhaltung staht da ja offenbar nicht ganz oben auf der Liste. Ich erinnere nur mal an das unglaubliche Desaster vom letzten Jahr, bei dem aber auch wirklich gar nichts irgendwie gut war. Immerhin kann es dieses Jahr kaum schlechter werden.

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    • Tatsächlich waren es im letzten Jahr zwei oder drei Dankesreden, die die Show gerettet haben. Ich bin auch mal gespannt und hoffe dennoch auf eine gute Show. Denn es hat schon sehr gute gegeben ☺

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      • Ja, absolut. Ich gucke es auch jedes Jahr wieder gerne. Aber letztes Jahr war wirklich ein Debakel unbeschreiblichen Ausmaßes. Und mit den gestrichenen Dankesreden tut man nicht unbedingt was, um das zu ändern. Ich bin allerdings noch positiv getimmt, da Chris Rock als Host schon mal interessant werden dürfte.

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  2. Eine gute Zusammenfassung der Veranstaltung. Aber die Veranstaltung hat definitiv an anderer Stelle besseres Potenzial zum Zeit einstreichen als bei den Dankesreden… das war ab und an wenigstens ein wenig persönlich und emotional und nicht nur eine glattgeschmierte Preisverleihung…

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  3. Es sind 8 nominierte Filme dieses Jahr. 🙂 Die Dankesreden fallen auch nicht flach, sondern die Oscar-Nominierten sollten eine Liste einreichen, wem sie dann danken würden, wenn sie tatsächlich gewinnen würden. Diese Liste wird dann als Laufband eingeblendet und gibt den Gewinnern die Möglichkeit, kurz etwas, was ihnen wirklich am Herzen liegt, zu sagen. Ich finde das sehr sinnvoll. Mit den ganzen Namen können doch die meisten eh nichts anfangen. Für die Gewinner war es auch immer peinlich, wenn sie beispielsweise ihren Ehepartner vergessen haben oder wie Sylvester Stallone bei den Golden Globes dieses Jahr vergessen hat, seinem Regisseur und seinem Co-Schauspieler zu danken. 🙂

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    • Danke für den Tipp. Da habe ich mich wohl verzählt 😊. Ja, diese Begründung zur Streichung der Dankesreden habe ich auch gehört. Hat mich aber nicht wirklich überzeugt. Ich bin mal gespannt, wie es gelöst wird, waren die Dankesreden doch der einzige Teil der Show, der nicht durchgeplant, sondern spontan war.

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      • Naja, wirklich spontan waren die Reden auch nicht. Wenn es nicht einen absoluten Überraschungssieger gab, dann waren die schon vorbereitet. Wäre jeder, der nominiert wird und weiss, dass Millionen von Menschen live zuschauen. Ich finde es eine wirklich gute Änderung, jetzt haben sie wenigstens die Möglichkeit etwas wirklich Wichtiges zu sagen und nicht nur ihre ganzen Namen runterzuleiern. 🙂

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