FARGO: Film oder Serie, das ist hier die Frage

fARGO

Schenkt man Joel und Ethan Coen Glauben, sind die Winter in Minnesota schneereich, die Leute – sagen wir mal – etwas verschlafen und die Mordrate ungewöhnlich hoch. Und die Coen-Brüder müssen es wissen, schließlich stammen sie aus Minnesota. Sumpf des Verbrechens ist Fargo – gleich um die Ecke im Nachbarstaat North Dakota. Von dort kommen sie: schießwütige Kopfgeldjäger, Gauner, die für einen Appel und ein Ei morden.

Mit ihrem gleichnamigen Film (1996) haben die Coens der Stadt Fargo wohl einen Bärendienst erwiesen. Sicher gibt es dort genauso viele rechtschaffende Menschen wie anderswo auch. Und als wäre ein Film wie „Fargo“ fürs städtische Image nicht schon schlimm genug, gab US-Sender FX 17 Jahre später gleich noch eine Fernsehserie namens „Fargo“ in Auftrag, die nicht minder blutig ist. Aber reicht sie an das Original heran? Film oder Serie – das ist hier die Frage.

Neue Schauspieler, neue Charaktere und mit Noah Hawley ein neuer Schöpfer (obwohl die Coens als executive producers ihre Finger mit drin haben) – auf den ersten Blick haben Film und Serie wenig miteinander zu tun. Der Film spielt in den 1980ern in Minneapolis und im Provinzkaff Brainerd, die Serie gut 20 Jahre später hauptsächlich in Bemidji.

Leichen pflastern ihren Weg

Auf den zweiten Blick gibt es etliche Parallelen. Da ist der Spießer, vom Leben gebeutelt, der nicht mehr weiter kann, der plötzlich mehr will. Im Film ist es der erfolglose Autoverkäufer Jerry (William H. Macy), der in Geldnöte geraten ist und zwei Verbrecher aus Fargo (da haben wir es) anheuert, die seine Frau entführen sollen. „Ohne Gewalt“ gibt er den Halunken (Steve Buscemi, Peter Stormare) mit auf den Weg, denn er will ja nur Lösegeld vom geizigen Schwiegervater erpressen. Aber mit Verbrechern ist das so eine Sache. Die machen gern ihr eigenes Ding, erschießen Streifenpolizisten auf der Flucht, verpatzen Geldübergaben, töten sogar das Opfer – so dass Jerry am Ende weder Frau noch Geld hat.

Was für Normalsterbliche wie ein Fluch klingt, ist für Polizisten ein Segen: Immer was zu tun. Dabei hat Marge (Frances McDormand) ganz andere Sorgen. Die Polizeichefin von Brainerd ist hochschwanger, und sie hat ständig Hunger. Wenn sie nicht gerade isst oder mit Ehemann Norm im Bett liegt, verfolgt Marge also die Spuren, die die beiden Verbrecher hinterlassen haben. Und das sind nicht nur die Leichen, die ihren Weg pflastern, sondern auch Prostituierte, die die Entführer haarklein beschreiben können. („Der Kleine sah irgendwie schräg aus.“ – „In welcher Hinsicht?“ – „Ich weiß nicht, irgendwie schräg.“) Trotz solcher Aussagen und mit Hilfe ihres Spürsinns kann Marge den Betrüger und die Verbrecher schließlich überführen. Obwohl von letzteren dank einer Häckselmaschine nicht mehr viel übrig ist.

Wenn der Postmann zweimal klingelt

Was Jerry für den Film ist, ist für die Serie Versicherungsvertreter Lester (Martin Freeman). Wer Freeman in „Sherlock“ und „Der Hobbit“ schätzt, lernt ihn hier ganz anders kennen. Denn sein Lester ist das traurigste Würstchen von ganz Minnesota. Auf Arbeit belächelt, von der Frau tyrannisiert – er ist bedauernswert, klein, unbedeutend. Wie der Zufall will, trifft er Auftragskiller Malvo (Billy Bob Thornton). Er klagt ihm sein Leid, und am nächsten Tag ist einer seiner Widersacher tot. Zufall?

Lesters Leben ändert sich kurz darauf schlagartig (im wahrsten Sinne des Wortes), als er seine Frau im Streit mit dem Hammer niederstreckt: Erfolg im Beruf, eine Affäre und schließlich eine neue (nette) Ehefrau, wenn nur Mitwisser Malvo und die beiden aufgescheuchten Gangster aus Fargo (!) nicht wären – und die Polizei, die ihm auf den Fersen ist. Oder besser gesagt die Polizistin. Molly (Allison Tolman) ist genauso sympathisch, hartnäckig und bedächtig wie Marge, aber nicht schwanger. – Zumindest zu Anfang der Staffel nicht. Das ändert sich aber, wenn sie Polizist/Postmann Gus (Colin Hanks) kennen lernt. – Anders als Marge muss sich Molly bei den Ermittlungen gegen ihren Chef durchsetzen, ist sie doch die einzige, die nicht an Lesters Unschuld glaubt. Aber sie lässt sich nicht beirren. So viel zur Haupthandlung.

Die Serie ist durchsetzt mit allerhand Nebenschauplätzen – und das ist auch ihre große Schwäche. Das Verbrechersyndikat in Fargo, die biblischen Plagen für den Supermarkt-König (Oliver Platt), die Zahnarzt-Tarnung von Malvo, selbst die Liebelei mit Gus – nette Ideen, aber sie lenken ab, verwirren, durchbrechen die Spannung und sorgen für einige Längen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Man hätte die Handlung durchaus um einige Folgen kürzen können, dem Spannungsaufbau hätte es gut getan. Was der Serie vor allem fehlt, ist der bitterböse Humor der Coen-Brüder, ihr Gespür für skurrile Dialoge, für das Wesen der Menschen von Minnesota, für schräge Charaktere (in welcher Hinsicht? Schräge eben). Das ist es, was den Film zu einem Vergnügen für jeden Kinoenthusiasten, zu einen Juwel mit Kultcharakter macht. Die Serie ist in weiten Teilen spannend und sehenswert, hat mit Freeman und Thornton zwei echte Hochkaräter und erinnert vom Setting her stark an die filmische Vorlage. Dennoch wirkt sie wie ein Aufguss. Oberflächlich stark, im Nachgeschmack aber schal und leider x-beliebig.

Dem Erfolg tat es keinen Abbruch, Staffel 2 (mit Kirsten Dunst, Ted Danson und Patrick Wilson) ist längst abgedreht und auf diversen Streaming-Anbietern zu sehen, Staffel 3 ist in Vorbereitung. Was hat euch besser gefallen: Film oder Serie? Und was viel wichtiger ist: Lohnt sich Staffel 2. Schreibt mir, was ihr denkt.

Fargo – Blutiger Schnee (USA, GB 1996)
98 Minuten
Darsteller: Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Harve Presnell, Peter Stormare, John Carroll Lynch, Bruce Campbell, Kristin Rudrüd
Regie: Joel Coen
Drehbuch/Schnitt: Joel und Ethan Coen,
Produktion: Ethan Coen
Kamera: Roger Deakins
Musik: Carter Burwell

Fargo – Staffel 1, 2014 (USA)
10 Folgen
Darsteller: Martin Freeman, Billy Bob Thornton, Allison Tolman, Colin Hanks, Bob Odenkirk, Keith Carradine, Kate Welsh, Russell Harvard, Adam Goldberg, Oliver Platt
Idee: Noah Hawley
Musik: Jeff Russo
Produktion: Kim Todd, Chad Oakes, Michael Frislev

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Beliebtester Weihnachtsfilm: And the winner is …

Welcher Film lässt eure Herzen in der Weihnachtszeit höher schlagen? Ihr habt entschieden. Neun Filme standen zur Auswahl (mehr dazu hier), und zum Ende hin wurde es noch einmal richtig spannend. Tagelang lag ein Film deutlich in Führung, wurde dann aber auf den letzten Metern eingeholt. Deshalb teilen sich zwei Filme das Siegertreppchen: „Tatsächlich … Liebe“ und „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Beide erreichten jeweils 24 Prozent der Stimmen. Mit 18 Prozent hat sich „Der kleine Lord“ den zweiten Platz erkämpft. Bronze geht an den Klassiker „Wir sind keine Engel“ (12 Prozent). Hat euch dieses Ergebnis überrascht?

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Weihnachtsfilme versüßen die Adventszeit. Foto: Ivonne Sielaff

Etwas abgeschlagen dahinter liegen „Ist das Leben nicht schön?“, „Charles Dickens Weihnachtsgeschichte“, „Der Grinch“ und „Eine schöne Bescherung“. Schlusslicht ist „Stirb langsam“. Bruce Willis erhielt von euch keine einzige Stimme. Ich frag mich warum. Dabei haben der Letztplatzierte und „Tatsächlich … Liebe“ sogar eine Gemeinsamkeit. In beiden Filmen ist der britische Schauspieler Alan Rickman zu sehen. Einmal als Terrorist und einmal als Familienvater, der in Versuchung gerät. Ihr seid eben doch alle Romantiker 🙂

Bleibt noch offen, für welchen Film ich gestimmt habe. Für meinen Favoriten sprechen gleich drei sehr gute Gründe: Humphrey Bogart, Peter Ustinov und Aldo Ray als Schwerverbrecher mit Herz. „Wir sind keine Engel“ ist mein liebster Weihnachtsfilm.

Danke für eure Stimmen und  Kommentare. Franziska-t weist auf „Vier Könige“ hin, „der beste Anti-Weihnachtsfilm, den ich kenne“, schreibt sie (ihre Rezension auf Filmkompass). Für Maik gehören „Der Polarexpress“ und „Kevin allein zu Haus“ zum Fest dazu. „Vom Spaßfaktor kommt man an den Griswolds eh nicht vorbei, wobei Bill Murray in der Weihnachtsgeschichte auch echt lustig ist, ich sag nur ‚Tackern Sie das Geweih einfach an!'“, schreibt Maik. Sein Favorit ist „Der kleine Lord“. Verena ergänzt noch „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und „Die zwölf Monate“.

Weihnachtsfilme versüßen uns zwar die Adventszeit. Aber wenn ich euch einen Tipp geben darf: Verliert nicht aus den Augen, was wirklich zählt. Genießt die gemeinsame Zeit mit euren Lieben. Sie ist kostbarer als alle Weihnachfilme und Geschenke auf der Welt. Frohes Fest!

Übrigens: Eine schöne Übersicht über alle Weihnachtsfilme bietet Martin Böhnisch auf seiner Website.

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Stimmt ab! Der schönste Weihnachtsfilm

Ho, ho, ho! Alle Jahre wieder zwängt sich der weißbärtige Alte im roten Mantel durch den Kamin. Ob wir einen haben oder nicht. Mit im Gepäck hat er nicht nur etliche Geschenke, sondern jedes Mal auch eine Fülle an Weihnachtsfilmen, um uns die Adventszeit zu versüßen.

Stimmt ab! Welches sind eure Lieblingsweihnachtsfilme? Herzige Komödien, Märchen oder doch eher das allweihnachtliche Kontrastprogramm? Ich habe einige Filme für euch zusammengefasst. Viel Spaß beim Lesen.

„Ist das Leben nicht schön?“ (USA, 1946)

Zitat: „Immer wenn ein Glöckchen klingelt, bekommt ein Engel seine Flügel.“
George Bailey (James Stewart) ist ein guter Kerl, doch den Familienvater hat der Lebensmut verlassen. Ausgerechnet am Weihnachtsabend beschließt er, sich umzubringen. Er hat seine Rechnung aber ohne den zweitklassigen Engel Clarence gemacht, der ihn zu retten versucht. Clarence zeigt dem Verzweifelten, wie es seiner Familie und seinen Freunde ergangen wäre, hätte es ihn nicht gegeben. George muss erkennen, dass sein Leben durchaus einen Sinn hat und dass es sich lohnt weiterzuleben. Pünktlich zum Weihnachtsfest kehrt er zu seiner Familie zurück. Engel Clarence wird für seinen Einsatz befördert und erhält seine langersehnten Flügel.

„Wir sind keine Engel“ (USA, 1955)

Zitat: „Am liebsten sind mir ja die Mörder, die sind immer so höflich.“
Kurz vor Weihnachten flüchten drei Schwerverbrecher (Humphrey Bogart, Peter Ustinov, Aldo Ray) aus dem Gefängnis. Sie nisten sich bei Familie Ducotel ein. Die arglosen Gastgeber stecken in Schwierigkeiten. Sie haben Geldsorgen. Als wäre das nicht schon schlimm genug, ist Tochter Isabelle auch noch unglücklich verliebt. Angesteckt vom Zauber der Weihnacht und von der Freundlichkeit der Familie Ducotel beschließen die drei Sträflinge zu helfen … auf ihre Weise. Welche Rolle die Giftschlange Adolf dabei spielt und warum das Trio am Ende freiwillig ins Gefängnis zurückkehrt, sei hier nicht verraten. Es soll Leute geben, die den Film noch nicht gesehen haben.

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (CSSR, DDR, 1973)

Zitat: „Guck mal, guck mal … äh … Hoheit.“
Ohne diesen Film gibt es keine Bescherung. Dabei handelt es sich bei „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ nicht mal um einen klassischen Weihnachtsfilm – eher um einen Winterfilm. Macht aber nichts. Denn auch nach über 40 Jahren fasziniert dieses Märchen die Menschen. Aschenbrödel (Libuse Safrankova) ist alles andere als ein Mäuschen, das darauf wartet von einem Prinzen erobert zu werden. Sie reitet, klettert jagt – und sie hat drei Zaubernüsse, die ihr in der passenden Gelegenheit den perfekten Auftritt verschaffen. Als Jäger, als tanzende Prinzessin und schließlich als Braut. Kein Wunder, dass sie dem Prinzen nicht mehr aus dem Kopf geht. Uns auch nicht.

weihnachtenKeine Weihnacht ohne Weihnachtsfilme im TV. Foto: Ivonne Sielaff

„Der kleine Lord“ (GB, 1980)

Zitat: „Jeder Mensch sollte mit seinem Leben die Welt ein ganz klein wenig besser machen.“
Dieser Film gehört zu Weihnachten wie Gans und Geschenke. Wem geht nicht das Herz auf, wenn der kleine Ceddie (Ricky Schroder) und sein verbitterter Großvater (Alec Guinness) zueinanderfinden. Dabei sieht es zu Beginn gar nicht nach einem Happy End aus. Ceddie soll seine Heimat Amerika verlassen, um mit seinem Großvater in England zu leben. Dieser ist Earl und Griesgram zugleich und möchte den Jungen zum Aristokraten formen. Der  Blondschopf erobert aber nicht nur die Herzen seiner zukünftigen Pächter, sondern beweist seinen Großvater, dass Güte und Nächstenliebe den wahren Herrscher ausmachen. Ein Märchen eben.

Eine Weihnachtsgeschichte (GB, USA, 1984)

Zitat: „Humbug“ – was sonst?
Unzählige Male ist Charles Dickens‘ Erzählung „Ein Weihnachtslied in Prosa“ bisher verfilmt worden – mit den Muppets, als Trickfilm, aufgepeppt mit Bill Murray, animiert mit Jim Carrey. Die Version von 1984 ist mir immer noch die liebste, kommt sie doch dem unaufdringlichen Zauber von Dickens‘ Geschichte am nächsten. Ebenezer Scrooge hasst Weihnachten. Wohltätigkeit ist für den Geizhals ein Fremdwort. In der Nacht vor Weihnachten erscheinen ihm drei Geister, die ihm die vergangenen, die gegenwärtigen und die noch kommenden Weihnachten zeigen. Am Ende dieser Reise findet sich Scrooge vor einem Grab wieder – seinem eigenen. Niemand trauert um ihn. Er ist einsam gestorben. Durch die Erlebnisse dieser Nacht geläutert, wird Scrooge zu einem Menschen, der Weihnachten in seinem Herzen bewahrt – in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft.

„Stirb langsam“ (USA, 1988)

Zitat: „Yippeahee, Schweinebacke!“
Überrascht? Natürlich ist „Stirb langsam“ ein Weihnachtsfilm – wenn auch einer der etwas anderen Art. Der New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis) fährt nach Los Angeles, um mit seiner Frau Heiligabend zu verbringen. Wie der Zufall will, wird die Weihnachtsfeier in einem Bürogebäude von Terroristen gestürmt, die die Angestellten als Geiseln nehmen. Nur gut, dass Bruce Willis in der Nähe ist, um wieder einmal die Welt zu retten. Warum er dies im zerfetzten, blutgetränkten Unterhemd tut, bleibt ein Rätsel.

„Schöne Bescherung“ (USA, 1989)

Zitat: „Ich sehe die Erhabenheit eines klaren Wintermorgens und einen Penner im Bademantel, der seine chemische Toilette in meiner Klärgrube entsorgt.“
Was kann zu Weihnachten alles schief gehen? Clark Griswold (Chevy Chase) zeigt es uns. Der Familienvater will nichts weiter als ein schönes Weihnachtsfest mit seinen Lieben, einen Christbaum und einen Festtagsbraten. Wenn nur die bucklige Verwandtschaft nicht wäre, die dafür sorgt, dass die Katze gegrillt wird, der Baum abfackelt und am Ende das halbe Haus in die Luft fliegt. Gar nicht leicht, dabei den Überblick zu behalten, zumal Clark ein viel größeres Problem plagt: Die Weihnachtsbeleuchtung will nicht funktionieren.

„Der Grinch“ (USA, 2000)

Zitat: „Ist Weihnachten doch nicht bloß Essen und Schenken? Vielleicht ist Weihnachten mehr, das muss ich wohl denken.“
„Every Who down in Whoville liked Christmas a lot… But the Grinch, who lived just north of Whoville, did NOT!“ So beginnt Dr. Seuss‘ Geschichte „How the Grinch stole Christmas“. Im Jahr 2000 schlüpfte Grimassengesicht  Jim Carrey in die Haut des kleinen grünen Monsters, das sich ausgestoßen fühlt und sich deshalb in den Bergen zurückgezogen hat. Zu Weihnachten will er sich an den Whos in Whoville rächen. Er stiehlt ihnen Geschenke, Braten und Baum, um ihnen das Fest zu vermiesen. Doch Weihnachten ist viel mehr, das muss am Ende auch der Grinch erkennen.

„Tatsächlich … Liebe“ (GB, USA, 2003)

Zitat: „Kinder, kauft keine Drogen… Werdet Popstar, dann bekommt ihr sie umsonst!“
Zehn Liebesgeschichten – geschickt miteinander verwoben. Das ist „Tatsächlich … Liebe“. Der trauernde Witwer, der seinem Stiefsohn beim ersten Liebeskummer beisteht, der Trauzeuge, der in der Braut seines besten Freundes verliebt ist, der Familienvater, der sich von seiner Sekretärin verführen lässt, der alternde Rockstar, der seinen letzten großen Hit landen will, der neue Premierminister, der sich in seine Kantinenchefin verguckt …  „Tatsächlich … Liebe“ ist Romantik pur. Und wenn ich vorher nicht in Weihnachtsstimmung war, nach diesem Film bin ich es.

Fehlt ein Film in meiner Aufzählung? Und welches Zitat sollte nicht unerwähnt bleiben? Wenn euch noch was einfällt, hinterlasst bitte einen Kommentar. Die Auflösung folgt in ein paar Tagen. Dann erfahrt ihr auch, welcher mein liebster Weihnachtsfilm ist.

Übrigens: Eine schöne Übersicht über Weihnachtsfilme bietet Martin Böhnisch auf seiner Website.

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Warum der Wetterbericht spannender ist als „The Royals“

Engländer reden am liebsten über das Wetter – und über die königliche Familie, heißt es so schön. Jetzt haben unsere Freunde von der Insel ein weiteres Thema für den Smalltalk zur Teatime: die TV-Serie „The Royals“ (Pro7 strahlt derzeit die erste Staffel aus, mittwochs 20.15 Uhr). Erfunden haben’s nicht etwa die Briten selbst, sondern die Amerikaner von E!, einem Sender, der sonst eher durch gepflegten Trash wie „Keeping up with the Kardashians“ auffällt.

Was wohl Queen Elisabeth zu dieser Perle der Fernsehunterhaltung sagt? Wahrscheinlich ist sie not amused. Vielleicht aber amüsiert sie sich auch königlich über die schablonenhaften Charaktere, die hanebüchene Handlung und die teils geschmacklosen Seitenhiebe auf die reale royale Familie.

Thronfolger tot

Zum Inhalt: Ein Schock für das britische Königshaus. Thronfolger Robert kommt bei einer Militärübung ums Leben. Plötzlich klettert Bruder und Partyprinz Liam eine Stufe auf der Thronleiter nach oben. Dieser Playboy soll England regieren? Oh my God! Dabei hat Liam viel Wichtigeres zu tun, bandelt er doch gerade mit der Tochter des königlichen Leibwächters an. Schwester Eleanor hat ebenfalls wenig übrig für die royalen Geschäfte. Sie schläft sich lieber ständig zugedröhnt durch fremde Betten. König Simon aber hat wirklich einen in der Krone. Er will die Monarchie abschaffen. Nur gut, dass Queen Helena die Fäden in der Hand hält. Für sie ist nämlich nicht nur wichtig, dass ihre Designerfummel kurz unterm Po enden, sondern auch dass das Bild der tugendhaften Königsfamilie in der Öffentlichkeit gewahrt bleibt. Gespielt wird die gestrenge Monarchin von Stilikone (und Schauspielerin) Liz Hurley. Die gab an, Lady Diana habe sie bei dieser Rolle inspiriert. My Goodness! Die Arme würde sich im Grabe umdrehen.

Als lose Vorlage für „The Royals“ diente übrigens eine Hamlet-Adaption von Michelle Ray, heißt es vom Sender. Ach wirklich? Man muss schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um die Anleihen bei Shakespeare nicht zu bemerken. Immerhin heißt die Gespielin des Prinzen Ophelia. Es braucht nun wahrlich keinen Hellseher, um zu erahnen, was die TV-Zuschauer in den kommenden Wochen erwartet. Der König wird durch einen Anschlag dahin gerafft. Die Königin verbündet sich mit dessen machthungrigem Bruder, welcher (Achtung Spoiler) hinter dem Mordkomplott steckt. Und der trauernde Prinz versucht, seinen verblichenen Vater zu rächen. Hamlet? Oder vielleicht doch eher „Denver Clan“? Sogar der Wetterbericht ist spannender als dieser gequirlte Mist. Er ist wenigstens nicht so vorhersehbar

Miese Quoten

Das sah das Fernsehpublikum in England und in Übersee ähnlich. Die Quoten der ersten Staffel blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Dennoch wurde bereits eine zweite Staffel produziert. Man weiß gar nicht, was man die Drehbuchschreibern mehr wünschen soll: eine Schreibblockade oder eine weitere Eingebung von Shakespeare. Bei ihm würden im fünften Akt nämlich alle Hauptfiguren tot auf den Brettern liegen. Und uns blieben weitere Folgen erspart – ganz nach der Devise „Der Rest ist Schweigen“.

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Es werden Köpfe rollen

Ichabod Crane treibt auf sixx sein Unwesen. Und das in Serie (freitags, 20.15 Uhr). Es ist 2013: Der Soldat taucht in Sleepy Hollow auf. Ebenso wie ein mysteriöser kopfloser Reiter. Mysteriös auch deshalb, weil Ichabod ihn kurz vor seinem Ableben im Jahr 1781 (!) getötet hatte. Und es wird noch mysteriöser. Denn plötzlich geht ein meuchelnder Unbekannter in Sleepy Hollow um.
Wenn euch Story, Figuren und Ort vage bekannt vorkommen, liegt ihr richtig. Schon 1999 inszenierte Tim Burton die gruselige Mär vom wackeren Polizisten Ichabod (Johnny Depp) und dem Reiter. Als Vorlage diente damals wie heute eine Kurzgeschichte von Washington Irving. Zwar reicht die Serie nicht an Burtons düster-spleenige Gruselromanze heran. Die Drehbuchautoren haben der Handlung jedoch einige neue Aspekte abgewonnen, die für Gänsehaut sorgen. So wird Ichabod immer wieder von Visionen geplagt. Zudem findet er in einer jungen und ebenfalls medial veranlagten Polizistin eine Verbündete. Gemeinsam nehmen sie den Kampf gegen den Kopflosen und seine Schar der apokalyptischen Reiter auf.
In Deutschland ist „Sleepy Hollow“ übrigens selbst so etwas wie ein Wiedergänger. ProSieben stellte die Serie 2014 wegen schlechter Quoten ein. Danach teilte sie das Schicksal vieler  in Ungnade gefallener Produktionen. Sie landete auf der Serien-Resterampe. Erst wurden die Folgen auf ProSieben Maxx ausgestrahlt. Momentan werden sie bei sixx wiederholt. Bei so viel mangelndem Urteilsvermögen sollten Köpfe rollen.

Bye bye Arschgeweih

Wer kennt das nicht: Nachts einen über den Durst getrunken, tierische Kopfschmerzen am Morgen und dazu ein Tattoo auf dem Gesäß, das dort vorher nicht war. Für solche und ähnliche Fälle gibt es nun Abhilfe. „Horror Tattoos – Deutschland, wir retten deine Haut“ läuft bereits in der zweiten Staffel auf dem Frauensender sixx (mittwochs, 23.05 Uhr) – und das fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. Die Sendung vereint praktische Lebenshilfe mit höchster Tätowierkunst – wird denen weisgemacht, die beim Zappen zufällig hängenbleiben. Dabei ist die Art und Weise, in der die Kandidaten vorgeführt werden, peinlicher als die verhunzten Tattoos selbst. Diese präsentieren die Teilnehmer vor einer Jury aus professionellen Körperbemalern. Am Ende werden die drei hässlichsten Krakeleien gekürt und nicht etwa von den Experten entfernt. Nein, weit gefehlt: Die Meister der Nadel verwandeln das Arschgeweih in einen Michelangelo. Aus der Nixe mit Schrumpfkopf wird eine badende Venus und aus dem Strichmännchen mit drei Beinen der geliebte Familienhund. Bei so viel Blödsinn muss man sich augenreibend fragen: Deutschland – wer rettet deinen Verstand?