Warum der Wetterbericht spannender ist als „The Royals“

Engländer reden am liebsten über das Wetter – und über die königliche Familie, heißt es so schön. Jetzt haben unsere Freunde von der Insel ein weiteres Thema für den Smalltalk zur Teatime: die TV-Serie „The Royals“ (Pro7 strahlt derzeit die erste Staffel aus, mittwochs 20.15 Uhr). Erfunden haben’s nicht etwa die Briten selbst, sondern die Amerikaner von E!, einem Sender, der sonst eher durch gepflegten Trash wie „Keeping up with the Kardashians“ auffällt.

Was wohl Queen Elisabeth zu dieser Perle der Fernsehunterhaltung sagt? Wahrscheinlich ist sie not amused. Vielleicht aber amüsiert sie sich auch königlich über die schablonenhaften Charaktere, die hanebüchene Handlung und die teils geschmacklosen Seitenhiebe auf die reale royale Familie.

Thronfolger tot

Zum Inhalt: Ein Schock für das britische Königshaus. Thronfolger Robert kommt bei einer Militärübung ums Leben. Plötzlich klettert Bruder und Partyprinz Liam eine Stufe auf der Thronleiter nach oben. Dieser Playboy soll England regieren? Oh my God! Dabei hat Liam viel Wichtigeres zu tun, bandelt er doch gerade mit der Tochter des königlichen Leibwächters an. Schwester Eleanor hat ebenfalls wenig übrig für die royalen Geschäfte. Sie schläft sich lieber ständig zugedröhnt durch fremde Betten. König Simon aber hat wirklich einen in der Krone. Er will die Monarchie abschaffen. Nur gut, dass Queen Helena die Fäden in der Hand hält. Für sie ist nämlich nicht nur wichtig, dass ihre Designerfummel kurz unterm Po enden, sondern auch dass das Bild der tugendhaften Königsfamilie in der Öffentlichkeit gewahrt bleibt. Gespielt wird die gestrenge Monarchin von Stilikone (und Schauspielerin) Liz Hurley. Die gab an, Lady Diana habe sie bei dieser Rolle inspiriert. My Goodness! Die Arme würde sich im Grabe umdrehen.

Als lose Vorlage für „The Royals“ diente übrigens eine Hamlet-Adaption von Michelle Ray, heißt es vom Sender. Ach wirklich? Man muss schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um die Anleihen bei Shakespeare nicht zu bemerken. Immerhin heißt die Gespielin des Prinzen Ophelia. Es braucht nun wahrlich keinen Hellseher, um zu erahnen, was die TV-Zuschauer in den kommenden Wochen erwartet. Der König wird durch einen Anschlag dahin gerafft. Die Königin verbündet sich mit dessen machthungrigem Bruder, welcher (Achtung Spoiler) hinter dem Mordkomplott steckt. Und der trauernde Prinz versucht, seinen verblichenen Vater zu rächen. Hamlet? Oder vielleicht doch eher „Denver Clan“? Sogar der Wetterbericht ist spannender als dieser gequirlte Mist. Er ist wenigstens nicht so vorhersehbar

Miese Quoten

Das sah das Fernsehpublikum in England und in Übersee ähnlich. Die Quoten der ersten Staffel blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Dennoch wurde bereits eine zweite Staffel produziert. Man weiß gar nicht, was man die Drehbuchschreibern mehr wünschen soll: eine Schreibblockade oder eine weitere Eingebung von Shakespeare. Bei ihm würden im fünften Akt nämlich alle Hauptfiguren tot auf den Brettern liegen. Und uns blieben weitere Folgen erspart – ganz nach der Devise „Der Rest ist Schweigen“.

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