HUGO CABRET – Martin Scorsese weichgespült

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Denk ich an Martin Scorsese in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht. Nein, nicht etwa weil ich den Regisseur schrecklich finde, sondern weil seine Filme immer so aufregend sind. Der Mann kann Thriller („Kap der Angst“), Horror („Shutter Island“), Mafia-Epos („Good Fellas“), hat mit „Taxi Driver“, „Wie ein wilder Stier“ und vielen anderen Filmen Kinogeschichte geschrieben. Bis auf wenige Ausnahmen zeichnen sich seine Filme durch Nervenkitzel sowie durch ein gewisses Maß an Gewalt aus. Und das ist auch gut so.

Dass es auch einmal ohne Robert DeNiro und Leonardo DiCaprio, ohne Knarren und Blut geht, hat Martin Scorsese 2011 mit „Hugo Cabret“ bewiesen. Der Stoff war durch glückliche Umstände auf seinem Schreibtisch gelandet. Tochter Francesca hatte ihm das Kinderbuch „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ von Brian Selznick zum Geburtstag geschenkt – in der Hoffnung, dass er es verfilmen würde. Martin Scorsese biss an.

Hugo Cabret und der Automatenmensch

Die Geschichte des Waisenjungen Hugo ist Scorseses erster und bisher einziger Spielfilm, der auch für ein jugendliches Publikum geeignet ist. Trotzdem ist „Hugo Cabret“ kein klassischer Kinderfilm, sondern viel mehr als das.

Zur Handlung: Es ist einige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Hugo (Asa Butterfield) lebt auf dem Pariser Bahnhof Montparnasse, bringt dort die Uhren zum Ticken. Alles, was ihm von seinem verstorbenen Vater (Jude Law) geblieben ist, ist ein kaputter Automatenmensch und Büchlein mit Notizen zur Reparatur. Hugos größter Wunsch ist es, das Werk seines Vaters zu vollenden und den Roboter in Gang zu setzen. Ersatzteile „besorgt“ er sich vom griesgrämigen Spielzeughändler (Ben Kingsley). Das geht so lange gut, bis er erwischt wird. Zur Strafe kassiert der Verkäufer das wertvolle Notizbuch ein und droht es zu verbrennen. Glücklicherweise erhält Hugo Hilfe von Isabelle (Chloe Grace Moretz), der Patentochter des Spielzeughändlers. Gemeinsam gelingt es den Kindern, den Automatenmenschen zu reparieren.

So weit, so gut: Zauberhaft, charmant, berührend und ganz und gar nicht typisch Scorsese. Und es wird noch besser. Der Automat beginnt zu zeichnen – auf dem Papier entsteht ein Szenenbild von „Reise zum Mond“, dem wohl berühmtesten Film von George Méliès, der – wie der Zufall will – ausgerechnet Isabelles Patenonkel, eben jener besagte Spielzeughändler, ist.

Die Filmlegende George Méliès

George Méliès gab es wirklich. Es muss ganz am Anfang meines Studiums in einer Vorlesung zum Thema Filmgeschichte gewesen sein, als ich zum ersten Mal von George Méliès hörte. Seine Enthusiasmus für das neue Medium und seine Ideen haben mich irgendwie berührt. Besonders das lachende Teiggesicht aus „Reise zum Mond“ und der explodierte Kopf sind mir im Gedächtnis geblieben.

Der Franzose George Méliès (1861-1938) gilt als einer der Pioniere der frühen Filmgeschichte. Zum Ende des 19. Jahrhunderts besuchte er eine der ersten Vorstellungen der Brüder Lumiere. Deren Cinematographe und Filme begeisterten den Zauberkünstler und Theaterbesitzer. Er baute sich eine eigene Filmapparatur und begann selbst Filme zu drehen. Anders als seine Zeitgenossen dokumentierte er nicht einfach nur die Realität. Er begann mit Schnitt, Doppelbelichtungen und Überblendungen zu experimentieren, entwickelte die Stop-Motion-Technik. Er schuf die allerersten Special-Effects und mit „Reise zum Mond“ den ersten Science-Fiction-Film der Kinogeschichte. Tausende von Filmen gehen auf Méliès Konto. Leider brach ihm die Filmbranche das Genick. Seine teuer produzierten Streifen konnten alsbald nicht mehr mit der billigeren Konkurrenz mithalten. 1913 ging Méliès pleite, musste tausende Meter Rohmaterial verkaufen. Später betrieb er mit seiner Frau einen Spielzeugladen auf dem Bahnhof Montparnasse. Der Kinovisionär und seine Filme waren in Vergessenheit geraten.

Martin Scorsese kann auch Happy End

Zurück zur Fiction: Bei Scorsese hat George Méliès mit seiner Vergangenheit abgeschlossen. Er ist verbittert, will nicht mehr an seine Glanzzeiten erinnert werden. Mit ihren Nachforschungen reißen Hugo und Isabelle die alten Wunden auf. Als sich dann auch noch ein Professor für sein Werk zu interessieren beginnt, lässt sich Méliès erweichen und öffnet sich. Das Happy End im Film ist so schön wie die Wirklichkeit selbst.  Einige seiner Filme konnten gerettet und restauriert werden. Und George Méliès ist unvergessen, ist zumindest den Kinoenthusiasten noch immer ein Begriff.

Nachdem ich „Hugo Cabret“ das erste Mal gesehen hatte, verspürte ich den starken Drang, Martin Scorsese einen Brief zu schreiben. Ich wollte ihm danken – dafür dass er die Kinolegende George Méliès mit solch einem schönen Film zurück ins Licht der breiten Öffentlichkeit gebracht hatte – so begeistert war ich. Den Brief habe ich nie geschrieben. Mit meiner Rezension hole ich das jetzt nach.

„Hugo Cabret“ (USA, 2011)
127 Minuten
Darsteller: Asa Butterfield, Chloe Grace Moretz, Ben Kingsley, Sacha Baron Cohen, Christopher Lee, Helen McCrory, Michael Stuhlbarg, Emily Mortimer, Jude Law, ray Winstone
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: John Logan
Musik: Howard Shore
Kamera: Robert Richardson
Schnitt: Thelma Schoonmaker
Produktion: Johnny Depp, Tim Headington, Graham King, Martin Scorsese

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INCEPTION – Träumst du noch, oder lebst du schon

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Was passiert, wenn wir träumen? Wir haben übermenschliche Kräfte, fühlen uns wie Superman. Wir meistern Situationen, in denen wir im Alltag versagen. Manchmal können wir sogar fliegen. Es gibt aber auch Träume, die uns in die Abgründe unserer Seele führen, die uns ängstigen, verstören. Was alle Träume gemeinsam haben, ist die Verletzbarkeit des Träumers. Arglos schlafend liegt er da – wehrlos. Was wäre, wenn unsere Träume manipulierbar wären, wenn jemand unsere Gedanken lenken und für seine Zwecke ausnutzen könnte? Wir wären ihm ausgeliefert.

In „Inception“ (2010) spielt Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan mit dieser Idee und schickt Leonardo DiCaprio auf eine Tour de Farce durch sein Unterbewusstsein. Als Dom Cobb ist DiCaprio so etwas wie ein professioneller Traumdieb. Genauer gesagt kann er sich in die Träume anderer Menschen einklinken und dem Schlafenden Geheimnisse entlocken – seien es brisante Informationen, die Zahlenkombination des Tresors oder der PIN-Code der Oma. Dom und einige Gleichgesinnte haben ihre besondere Fähigkeit zum Geschäftsmodell gemacht. Schwerreiche Sponsoren gibt es zur Genüge. Das Geschäft floriert. Da ist nur ein Haken. Dom lebt und arbeitet im Exil. Er darf nicht zurück in die USA, weil er dort als Mörder auf der Flucht gilt. Sein angebliches Opfer: Mal (Marion Cotillard), seine  Frau und Mutter seiner Kinder. Dabei hat sie sich doch selbst aus dem Fenster gestürzt, so glaubt es Dom zumindest.

Leonardo DiCaprio und seine Traumfrau

Was ist hier Schein und was ist Sein? Wo endet die Realität, und wo beginnt der Traum? Ab einem gewissen Punkt sind die Grenzen fließend. Christopher Nolan verlangt seinen Zuschauern bei „Inception“ einiges ab: Konzentration und vollste Aufmerksamkeit. Wir müssen nicht nur zwischen Traum und Realität unterscheiden, sondern auch noch zwischen mehreren Traumebenen. Denn je höher die Anzahl der Traumebenen, desto tiefer gelangt man als Traumtourist in das Unterbewusstsein seines Opfers. Als Hilfestellung hat Christopher Nolan die unterschiedlichen Ebenen so kontrastreich wie möglich gestaltet. So gleiten wir vom verregneten New York in ein nobles Hotel und von dort zu einer verschneiten Festung, wobei die herkömmlichen Gesetze von Raum und Zeit das ein oder ander Mal mächtig auf den Kopf gestellt werden. Optisch meisterhaft umgesetzt.

„Inception“ ist Augenschmaus und packender Thriller zugleich. Und das Beste ist: Man muss Leonardo DiCaprio nicht einmal mögen, um sich mitreißen zu lassen. Sein neuester Fall ist eine harte Nuss. Er soll einen Millionenerben (Cillian Murphy) überzeugen, das Unternehmen seines Vaters abzustoßen. Doch der junge Schnösel wehrt sich mit Händen und Füßen, ist gegen Traumdiebe gerüstet.

Als Dom kämpft Leonardo DiCaprio dabei nicht nur gegen seine Widersacher, sondern auch gegen seine eigenen Dämonen. Ständig taucht Mal in seinem Träumen auf. Sie verfolgt ihn – wie auch das schlechte Gewissen, die Sehnsucht nach ihr und die Überzeugung, die geliebte Frau in den Tod getrieben zu haben. Immer wieder versucht sie ihn davon zu überzeugen, dass seine Realität nur ein Trugbild, eben ein Traum ist, dass er nur aufwachen muss, um wieder mit ihr vereint zu sein. Natürlich ist es nicht Mal, die zu ihm spricht, sondern der Zweifel, der sich in ihm regt. Am Ende gelingt es Dom, sich von Mal zu lösen. Damit begräbt er auch die nagenden Zweifel. Er kehrt nach Hause zu seinen Kindern zurück. Aber ist er wirklich zurückgekehrt, oder träumt er noch? Darüber wird der Zuschauer im Ungewissen gelassen.

Hat euch das Finale auch so verstört? Lebt er am Ende sein Leben oder seinen Traum? Was meint ihr?

Inception (USA, 2010)
148 Minuten
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Marion Cotillard, Joseph Gordon-Levitt, Ellen Page, Tom Hardy, Cillian Murphy, Tom Berenger, Michael Caine, Ken Watanabe, Lukas Haas, Pete Postlethwaite, Dileep Rao
Regie, Drehbuch: Christopher Nolan
Produktion: Christopher Nolan, Emma Thomas
Kamera: Wally Pfister
Schnitt: Lee Smith
Musik: Hans Zimmer

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FARGO: Film oder Serie, das ist hier die Frage

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Schenkt man Joel und Ethan Coen Glauben, sind die Winter in Minnesota schneereich, die Leute – sagen wir mal – etwas verschlafen und die Mordrate ungewöhnlich hoch. Und die Coen-Brüder müssen es wissen, schließlich stammen sie aus Minnesota. Sumpf des Verbrechens ist Fargo – gleich um die Ecke im Nachbarstaat North Dakota. Von dort kommen sie: schießwütige Kopfgeldjäger, Gauner, die für einen Appel und ein Ei morden.

Mit ihrem gleichnamigen Film (1996) haben die Coens der Stadt Fargo wohl einen Bärendienst erwiesen. Sicher gibt es dort genauso viele rechtschaffende Menschen wie anderswo auch. Und als wäre ein Film wie „Fargo“ fürs städtische Image nicht schon schlimm genug, gab US-Sender FX 17 Jahre später gleich noch eine Fernsehserie namens „Fargo“ in Auftrag, die nicht minder blutig ist. Aber reicht sie an das Original heran? Film oder Serie – das ist hier die Frage.

Neue Schauspieler, neue Charaktere und mit Noah Hawley ein neuer Schöpfer (obwohl die Coens als executive producers ihre Finger mit drin haben) – auf den ersten Blick haben Film und Serie wenig miteinander zu tun. Der Film spielt in den 1980ern in Minneapolis und im Provinzkaff Brainerd, die Serie gut 20 Jahre später hauptsächlich in Bemidji.

Leichen pflastern ihren Weg

Auf den zweiten Blick gibt es etliche Parallelen. Da ist der Spießer, vom Leben gebeutelt, der nicht mehr weiter kann, der plötzlich mehr will. Im Film ist es der erfolglose Autoverkäufer Jerry (William H. Macy), der in Geldnöte geraten ist und zwei Verbrecher aus Fargo (da haben wir es) anheuert, die seine Frau entführen sollen. „Ohne Gewalt“ gibt er den Halunken (Steve Buscemi, Peter Stormare) mit auf den Weg, denn er will ja nur Lösegeld vom geizigen Schwiegervater erpressen. Aber mit Verbrechern ist das so eine Sache. Die machen gern ihr eigenes Ding, erschießen Streifenpolizisten auf der Flucht, verpatzen Geldübergaben, töten sogar das Opfer – so dass Jerry am Ende weder Frau noch Geld hat.

Was für Normalsterbliche wie ein Fluch klingt, ist für Polizisten ein Segen: Immer was zu tun. Dabei hat Marge (Frances McDormand) ganz andere Sorgen. Die Polizeichefin von Brainerd ist hochschwanger, und sie hat ständig Hunger. Wenn sie nicht gerade isst oder mit Ehemann Norm im Bett liegt, verfolgt Marge also die Spuren, die die beiden Verbrecher hinterlassen haben. Und das sind nicht nur die Leichen, die ihren Weg pflastern, sondern auch Prostituierte, die die Entführer haarklein beschreiben können. („Der Kleine sah irgendwie schräg aus.“ – „In welcher Hinsicht?“ – „Ich weiß nicht, irgendwie schräg.“) Trotz solcher Aussagen und mit Hilfe ihres Spürsinns kann Marge den Betrüger und die Verbrecher schließlich überführen. Obwohl von letzteren dank einer Häckselmaschine nicht mehr viel übrig ist.

Wenn der Postmann zweimal klingelt

Was Jerry für den Film ist, ist für die Serie Versicherungsvertreter Lester (Martin Freeman). Wer Freeman in „Sherlock“ und „Der Hobbit“ schätzt, lernt ihn hier ganz anders kennen. Denn sein Lester ist das traurigste Würstchen von ganz Minnesota. Auf Arbeit belächelt, von der Frau tyrannisiert – er ist bedauernswert, klein, unbedeutend. Wie der Zufall will, trifft er Auftragskiller Malvo (Billy Bob Thornton). Er klagt ihm sein Leid, und am nächsten Tag ist einer seiner Widersacher tot. Zufall?

Lesters Leben ändert sich kurz darauf schlagartig (im wahrsten Sinne des Wortes), als er seine Frau im Streit mit dem Hammer niederstreckt: Erfolg im Beruf, eine Affäre und schließlich eine neue (nette) Ehefrau, wenn nur Mitwisser Malvo und die beiden aufgescheuchten Gangster aus Fargo (!) nicht wären – und die Polizei, die ihm auf den Fersen ist. Oder besser gesagt die Polizistin. Molly (Allison Tolman) ist genauso sympathisch, hartnäckig und bedächtig wie Marge, aber nicht schwanger. – Zumindest zu Anfang der Staffel nicht. Das ändert sich aber, wenn sie Polizist/Postmann Gus (Colin Hanks) kennen lernt. – Anders als Marge muss sich Molly bei den Ermittlungen gegen ihren Chef durchsetzen, ist sie doch die einzige, die nicht an Lesters Unschuld glaubt. Aber sie lässt sich nicht beirren. So viel zur Haupthandlung.

Die Serie ist durchsetzt mit allerhand Nebenschauplätzen – und das ist auch ihre große Schwäche. Das Verbrechersyndikat in Fargo, die biblischen Plagen für den Supermarkt-König (Oliver Platt), die Zahnarzt-Tarnung von Malvo, selbst die Liebelei mit Gus – nette Ideen, aber sie lenken ab, verwirren, durchbrechen die Spannung und sorgen für einige Längen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Man hätte die Handlung durchaus um einige Folgen kürzen können, dem Spannungsaufbau hätte es gut getan. Was der Serie vor allem fehlt, ist der bitterböse Humor der Coen-Brüder, ihr Gespür für skurrile Dialoge, für das Wesen der Menschen von Minnesota, für schräge Charaktere (in welcher Hinsicht? Schräge eben). Das ist es, was den Film zu einem Vergnügen für jeden Kinoenthusiasten, zu einen Juwel mit Kultcharakter macht. Die Serie ist in weiten Teilen spannend und sehenswert, hat mit Freeman und Thornton zwei echte Hochkaräter und erinnert vom Setting her stark an die filmische Vorlage. Dennoch wirkt sie wie ein Aufguss. Oberflächlich stark, im Nachgeschmack aber schal und leider x-beliebig.

Dem Erfolg tat es keinen Abbruch, Staffel 2 (mit Kirsten Dunst, Ted Danson und Patrick Wilson) ist längst abgedreht und auf diversen Streaming-Anbietern zu sehen, Staffel 3 ist in Vorbereitung. Was hat euch besser gefallen: Film oder Serie? Und was viel wichtiger ist: Lohnt sich Staffel 2. Schreibt mir, was ihr denkt.

Fargo – Blutiger Schnee (USA, GB 1996)
98 Minuten
Darsteller: Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Harve Presnell, Peter Stormare, John Carroll Lynch, Bruce Campbell, Kristin Rudrüd
Regie: Joel Coen
Drehbuch/Schnitt: Joel und Ethan Coen,
Produktion: Ethan Coen
Kamera: Roger Deakins
Musik: Carter Burwell

Fargo – Staffel 1, 2014 (USA)
10 Folgen
Darsteller: Martin Freeman, Billy Bob Thornton, Allison Tolman, Colin Hanks, Bob Odenkirk, Keith Carradine, Kate Welsh, Russell Harvard, Adam Goldberg, Oliver Platt
Idee: Noah Hawley
Musik: Jeff Russo
Produktion: Kim Todd, Chad Oakes, Michael Frislev

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MANCHE MÖGEN’S HEISS – und niemand ist perfekt

beste filme

Diese Szene ist in die Filmgeschichte eingegangen. Milliardär Osgood sitzt in einem Boot mit Daphne, hat ihr gerade einen Antrag gemacht (Link hier). Seine Angebetete ziert sich, will ihm die Hochzeit ausreden: Sie sei keine echte Blondine, rauche ständig, habe eine zweifelhafte Vergangenheit, könne keine Kinder bekommen. Osgood zeigt sich unbeeindruckt. Da zieht sich Daphne die blonde Perücke vom Kopf und sagt mit tiefer Stimme: „Ich bin ein Mann.“ Osgood lächelt und sagt: „Well, nobody’s perfect.“ (Niemand ist vollkommen.)

Billy Wilder’s Film „Manche mögen’s heiß“ (1959) zählt zu den besten Komödien aller Zeiten, hat fast 60 Jahre später nichts von seinem Charme verloren. Der Regisseur ging bei seinem Film gleich mehrere Wagnisse ein: Er drehte in Schwarz-Weiß, besetzte die damals sehr labile Marilyn Monroe und steckte zwei Männer in Frauenkleider, was zu der Zeit als äußerst verpönt galt. Der Erfolg gab ihm recht. Das Publikum liebte den Film und tut es noch heute.

Schreckliche, haarige Biester

Zur Handlung: Die Musiker Joe (Tony Curtis) und Jerry (Jack Lemmon) sind auf der Flucht vor der Mafia, weil sie zufällig einen Mord beobachtet haben. In ihrer Not tauchen sie verkleidet als Josephine und (ähm!) Daphne beim einem Frauenorchester unter. Die Musikerinnen ahnen nicht, was für „schreckliche, haarige Biester“ sich bei ihnen eingeschlichen haben, nehmen Daphne und Josephine liebevoll auf. Den Männern wiederum fällt es schwer, sich nicht zu verraten, schließlich hüpft eine Horde junger Damen arglos in Unterwäsche um sie herum. Und dann ist da noch die verführerische Ukulele-Spielerin Sugar (Marilyn Monroe), die sich mit den beiden „Mädchen“ anfreundet.

Wie der Zufall will, findet das Gastspiel der Frauenkompo ausgerechnet dort statt, wo sich auch die „Freunde der italienischen Oper“ treffen, darunter Mafiosi mit so einprägsamen Namen wie Gamaschen-Colombo und Zahnstocher-Charlie. Aber die Flüchtigen stehen noch vor ganz anderen Problemen. Joe versucht Sugars Herz zu erobern. Diese aber hat Musikern abgeschworen und hält nach reichen Männern Ausschau. „Rasseweib“ Daphne ist da schon einen Schritt weiter. Sie/er ist dem notgeilen Milliardär Osgood ins Auge gefallen und muss sich gegen dessen Avancen wehren.

Sugar mit bitterem Beigeschmack

Diese Verwicklungen sind urkomisch – egal ob man den Film zum ersten oder zum zehnten Mal sieht. Vor allem Jack Lemmon als Daphne glänzt mit Witz und Spielfreude. Tony Curtis dagegen tat sich mit der Frauenrolle schwer. Weil er die hohe Stimmlage nicht hinbekam, musste er synchronisiert werden. Dennoch: Seine Cary-Crant-Parodie als angeblicher Shell-Erbe ist köstlich. (Der Kopierte selbst war nicht so begeistert.) Marilyn Monroe ist als Sugar zwar zuckersüß und legt mit dem Klassiker „I wanna be loved by you“ einen tollen Auftritt hin, trieb aber während der Dreharbeiten ihre Kollegen zur Weißglut. So heißt es, sie sein notorisch unpünktlich gewesen, konnte sich nicht einmal die einfachsten Sätze merken und kostete das Studio durch die von ihr verschuldeten 20 Tage Drehverzögerung einen Haufen Geld.

Übrigens: Zu dem vielzitierten „Nobody’s perfect“ wäre es beinahe nicht gekommen. Billy Wilder gefiel der Satz nicht, er fand ihn zu belanglos. Weil ihm und seinem Ko-Autoren nichts Besseres einfiel, blieb der Satz im Drehbuch. Zum Glück.

Und warum wurde in Schwarz-Weiß gedreht? Weil Curtis und Lemmon geschminkt und in Farbe sonst zu grotesk gewirkt hätten.

Was ist mit euch? Könnte ihr über „Manche mögen’s heiß“ lachen? Welcher andere Filmklassiker bringt euch zum Schmunzeln? Schreibt mir! 🙂

„Manche mögen’s heiß“ (USA, 1959)
Darsteller: Jack Lemmon, Tony Curtis, Marilyn Monroe, George Raft, Joe E. Brown, Joan Shawlee, Dave Barry,
Regisseur: Billy Wilder,
Drehbuch: Billy Wilder, IAL Diamond
Kamera: Charles Lang
Schnitt: Arthur P. Schmidt
Musik: Adolph Deutsch, Matty Malneck
Produktion: Billy Wilder, IAL Diamond, Doane Harrison

Lest dazu auch PULP FICTION – Die besten Filme aller Zeiten (Teil1).

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PULP FICTION – So geht Kult

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Ist es wirklich so einfach, einen Kultfilm zu schaffen? Man nehme zwei Ganoven, eine coole Gangsterbraut und einen abgehalfterten Boxer. Drei Geschichten, ein Film. Dazu kommen ein gut gemischter Soundtrack und jede Menge belanglose Dialoge – und fertig ist „Pulp Fiction“ (1994).

Kaum zu glauben, dass Quentin Tarantinos Meisterwerk nun schon mehr als 20 Jahre auf dem Buckel hat. Dabei hat am Anfang kaum jemand an den Erfolg des Films geglaubt. In ganz Hollywood hatte Tarantino das Drehbuch herumgereicht, nur einer griff zu: Harvey Weinstein. Die Spürnase des Miramax-Gründers hatte sich nicht getäuscht. Der Film wurde ein Hit und Regisseur und Autor Quentin Tarantino ein Star.

„Misirlou“

Schon der Anfang ist kultig. Die spießige Idylle eines amerikanischen Diners wird durch einen Überfall zerstört. Pumpkin und Honeybunny nennen sich die verliebten Kleinkriminellen, die die Gäste des Restaurants mit ihren Waffen bedrohen. Dann Schnitt – die Titelmusik setzt ein: „Misirlou“, (später zweckentfremdet als Erkennungsmeldodie der deutschen Schmuddelshow „Peep“). Wenn das nicht cool ist.

Was dann folgt, sind drei Episoden. Der Clou: Sie sind lose miteinander verwoben und werden ineinander verzwickt und in nicht chronologischer Reihenfolge erzählt.
1. Die Gangster Vincent (John Travolta) und Jules (Samuel L. Jackson) erschießen zufällig ihr gekidnapptes Opfer. Um die Schweinerei in ihrem Auto zu beseitigen, engagieren sie einen Profi – Mr. Wolf (Harvey Keitel).
2. Vincent soll Mia (Uma Thurman), die Frau seines Bosses, ausführen. Nachdem die beiden einen Twistwettbewerb (eine Tanzszene, die in die Filmgeschichte eingegangen ist) gewonnen haben, stirbt Mia fast an einer Überdosis. Nur eine Spritze ins Herz kann sie retten.
3. Boxer Butch wird von Gangsterboss Marsellus (Ving Rhames) unter Druck gesetzt. Er soll seinen nächsten Kampf verlieren. Butch aber gewinnt. Auf der Flucht gerät er an zwei sadistische Perverse. Butch entkommt. Zurück in seiner Wohnung trifft er auf Vincent, der ihn ausschalten soll. Der sitzt aber gerade auf der Toilette und wird von Butch erschossen.

Zum Ende schließt sich der Kreis: Die Handlung springt zurück zu dem Überfall in dem Restaurant. Unter den Gästen befinden sich auch Jules und Vincent. Jules gerät mit Pumpkin aneinander, weil er ihm seinen ominösen Koffer nicht aushändigen will. Obwohl er könnte, erschießt Jules den Räuber nicht und lässt ihn ziehen.

Quarterpounder mit Käse

Das alles ist ziemlich blutig und ziemlich gewalttätig. Doch nicht nur die Gangster in „Pulp Fiction“ sind zum Schießen, sondern auch die inzwischen legendären Dialoge. Da geht es um Quarterpounder mit Käse, Fußmassagen, Pilotfilme und Serien, eine ganz besondere Taschenuhr – und sogar die Bibel wird  zitiert. Es ist Quentin Tarantinos große Stärke, seinen Protagonisten Nebensächlichkeiten in den Mund zu legen und sie dabei trotzdem extrem cool wirken zu lassen. Völlig zu Recht wurde er mit dem Oscar für das beste Drehbuch ausgezeichnet (obwohl noch immer nicht geklärt ist, wie viel Co-Autor Roger Avary zum Erfolg beigetragen hat). Ganz nebenbei sorgte Tarantino für das Comeback des längst abgeschriebenen John Travolta und gab den Karrieren von Samuel L. Jackson und Uma Thurman eine völlig neue Richtung.

Quentin Tarantino erwies sich nicht als Eintagsfliege. Nach seinem Erfolg mit „Pulp Fiction“ legte er u.a. mit „Jackie Brown“, „Kill Bill“„Inglourious Basterds“ und „Django Unchained“ nach. Mit Spannung erwartet die Filmwelt nun seinen neuesten Streich „The Hateful Eight“.

Ihr kennt einen viel besseren Film? Ich bin neugierig. Schreibt ihn mir, und ich nehme ihn mit in meine Liste auf. Und über ein „gefällt mir“ freue ich mich auch 😉

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