Na endlich – Leo kriegt den Oscar

88th Oscars®, Academy Awards, Press Rooms

Die strahlenden Gewinner der 88. Academy Awards (von links): Mark Rylance, Brie Larson, Leonardo DiCaprio und Alicia Vikander. Foto: Phil McCarten/A.M.P.A.S.

Dem großen Manitu sei dank – Leonardo DiCaprio hat endlich seinen Oscar bekommen. Fünf Mal war DiCaprio zuvor leer ausgegangen. Mit der Hauptrolle im Survival-Drama „The Revenant“ konnte er die Academy-Mitglieder nun überzeugen. Seine „Krönung“ zum besten Schauspieler war der Höhepunkt der 88. Academy Awards. Und was musste Leo nicht alles erleiden als vom Bären angefressener und von Hass zerfressener Trapper in der amerikanischen Wildnis. Er habe während der Dreharbeiten seelisch und körperlich leiden müssen, betonte DiCaprio zuvor in etlichen Interviews. Man gewann fast den Eindruck, als habe ihn Regisseur Alejandro G. Inarritu gezwungen, auch während der Drehpausen hungernd und frierend in einem vereisten Erdloch auszuharren – als sei er genötigt worden, die Rolle zu übernehmen und dafür eine Millionengage einzustreichen. Spaß beiseite: In „The Revenant“ lieferte DiCaprio zwar nicht die beste Leistung seiner Karriere ab, wohl aber die, die am nachhaltigsten im Gedächtnis bleibt. Absolut oscarwürdig!

Leonardo DiCaprios Sieg kam nicht überraschend, hatte er doch zuvor bei zahlreichen anderen Preisverleihungen abgeräumt. Wie auch Brie Larson, die für ihre Hauptrolle in „Room“ ausgezeichnet wurde. So hatten viele Oscar-Fans auch Sylvester Stallone auf dem Zettel. In „Creed“ war der inzwischen 69-jährige Hollywood-Haudegen bereits zum siebten Mal in die Rolle des Boxers Rocky Balboa geschlüpft. Zur großen Verwunderung wurde aber Mark Rylance zum besten Nebendarsteller gekürt, der in „Bridge of Spies“ einen russischen Spion spielte. Ganz so vorhersehbar entscheiden die Academy-Mitglieder eben doch nicht immer. Den Oscar für die beste Nebendarstellerin erhielt Alicia Vikander. Die Schwedin glänzte als Frau von „The Danish Girl“ Eddie Redmayne.

Bester Film des Jahres ist das Enthüllungs-Drama „Spotlight“. „The Revenant“ gewann weitere Preise für die beste Regie (Alejandro G. Inarritu) und Kamera (Emmanuel Lubezki). Die Nase vorn hatte jedoch ein anderer Film. Insgesamt sechs Oscars (darunter bester Schnitt, beste Kostüme, bester Ton) gingen an George Millers Endzeit-Action-Kracher „Mad Max: Fury Road“. Das ist auch mal ein Statement.

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US-Komiker Chris Rock führte mit beißendem Spott durch die Show. Foto: Marc Suban/A.M.P.A.S.

Allerdings waren es nicht wirklich Filme, die im Mittelpunkt der diesjährigen Oscar-Verleihung standen. Die Diversity-Debatte hatte vorab für Schlagzeilen gesorgt. Die Academy musste heftige Kritik einstecken, weil zum zweiten Mal in Folge keine schwarzen Darsteller nominiert waren. Und das Thema bestimmte auch die Show. Moderator und Komiker Chris Rock erwies sich als echter Glücksgriff und teilte mächtig aus – gegen die Academy, gegen die Filmindustrie, aber auch gegen seine schwarzen Kollegen – so etwa gegen Jada Pinkett Smith. Die Frau von Will Smith hatte angekündigt, die Oscar-Verleihung zu boykottieren. Wie sie etwas boykottieren könne, zu dem sie gar nicht eingeladen sei, ätzte Chris Rock und hatte die Lacher (meist) auf seiner Seite. Was die schwarzen Filmschaffenden wirklich bräuchten, seien Chancen – also gute Rollen in guten Filmen. Recht hat er.

Für einen der rührendsten Momente der Show sorgte Ennio Morricone. Der 87-jährige Kult-Komponist des Spaghetti-Western erhielt den ersten, längst überfälligen Oscar seiner Karriere (den Ehren-Oscar ausgenommen) für die Filmmusik in Quentin Tarantinos Schnee-Western „The Hateful 8“. Gänsehaut-Stimmung verbreitete Musiker Dave Grohl mit dem Beatles-Klassiker „Blackbird“, als traditionell an die in den vergangenen zwölf Monaten verstorbenen Kollegen erinnert wurde.

Weitere emotionale Momente? Fehlanzeige. Nach dem grandiosen Auftakt von Chris Rock geriet die Show zur nüchternen Ansage der Gewinner. Daran konnten auch die Auftritte von Sam Smith (unterirdisch), Lady Gaga und Weeknd nichts ändern. Ein sprichwörtlicher Griff ins Klo war die Einblendung der Personen, denen die Preisträger dankten. Die Namen liefen viel zu schnell durchs Bild, erinnerten eher an Börsenkurse als an eine nette Geste. Eine völlig unnötige Neuerung, zumal die meisten Namen während der Dankesreden wiederholt wurden. Inakzeptabel und respektlos war wieder einmal auch, dass die Dankesworte nach ein paar Sekunden durch Musik abgewürgt wurden. Lediglich Leonardo DiCaprio, der eine flammende Rede auf den Umweltschutz hielt, wurde nicht unterbrochen.

Und das ist auch, was von den 88. Academy Awards in Erinnerung bleibt: DiCaprios Worte und das strahlende Lächeln eines Siegers.

PS: Ich lese gerade, ich habe bei Ma-Gos Oscar-Tippspiel den zweiten Platz gewonnen. Das ist doch mal was 🙂

Die Preisträger der 88. Academy-Awards

Bester Film: „Spotlight“
Bester Hauptdarsteller: Leonardo DiCaprio, „The Revenant“
Beste Hauptdarstellerin: Brie Larson, „Room“
Bester Nebendarsteller: Mark Rylance, „Bridge of Spies“
Beste Nebendarstellerin: Alicia Vikander, „The Danish Girl“
Beste Regie: Alejandro González Iñárritu, „The Revenant“
Beste Kamera: Emmanuel Lubezki, „The Revenant“
Bester Filmsong: Sam Smith und Jimmy Napes, „Writing’s on the „Wall“ aus „James Bond 007: Spectre“
Beste Filmmusik: Ennio Morricone, „The Hateful 8“
Bester fremdsprachiger Film: László Nemes, „Son of Saul“
Bestes adaptiertes Drehbuch: Adam McKay und Charles Randolph, „The Big Short“
Bestes Originaldrehbuch: Tom McCarthy und Josh Singer, „Spotlight“
Bester Kurzfilm: Serena Armitage und Benjamin Cleary, „Stutterer“
Bester Dokumentarfilm: Asif Kapadia und James Gay-Rees, „Amy“
Bester Dokumentar-Kurzfilm: Sharmeen Obaid-Chinoy, „A Girl in the River: The Price of Forgiveness“
Bester Animationsfilm: Pete Docter und Jonas Rivera, „Alles steht Kopf“
Bester animierter Kurzfilm: Gabriel Osorio und Pato Escala, „Bear Story“
Beste visuelle Effekte: Mark Williams Ardington, Sara Bennett, Paul Norris und Andrew Whitehurst, „Ex Machina“
Bester Ton: Chris Jenkins, Gregg Rudloff und Ben Osmo, „Mad Max: Fury Road“
Bester Tonschnitt: Mark A. Mangini und David White, „Mad Max: Fury Road“
Bester Schnitt: Margaret Sixel, „Mad Max: Fury Road“
Bestes Make-up und Frisuren: Lesley Vanderwalt, Elka Wardega und Damian Martin, „Mad Max: Fury Road“
Bestes Szenenbild: Colin Gibson und Lisa Thompson, „Mad Max: Fury Road“
Bestes Kostümdesign: Jenny Beavan, „Mad Max: Fury Road“

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Oscar für Besserwisser

88th Oscars®, Academy Awards, Wednesday Rehearsals

Warten auf Oscar: Am Sonntag wird in Los Angelos der begehrteste Filmpreis der Welt verliehen. Foto: Richard Harbaugh / ©A.M.P.A.S.

Die 88. Academy Awards stehen vor der Tür. Ihr habt keinen blassen Schimmer, wollt aber dennoch beim Smalltalk glänzen? Dann seid ihr bei mir genau richtig. Hier bekommt ihr jede Menge unnützes Oscar-Wissen, mit dem ihr Eindruck schinden könnt. Und los geht’s.

Zu aller erst: Wer ist eigentlich dieser Oscar? Die berühmte Statue zeigt einen Ritter, der ein Schwert hält und auf einer Filmrolle steht. Wie es heißt, wurde die nackte Figur ohne ein männliches Modell kreiert (hört, hört). Die Statue ist genau 34,29 Zentimeter hoch, ganze 3,856 Kilogramm schwer und mit einer 24-karätigem Goldschicht überzogen. Offiziell heißt der begehrte Filmpreis „Academy Award of Merit“. Inoffizieller Name ist Oscar – und das schon seit den 1930er Jahren. Woher der Name rührt, fällt inzwischen ins Reich der Hollywood-Legenden. Angeblich soll eine Academy-Sekretärin beim Anblick der Statue gesagt haben: „Der sieht ja aus wie mein Onkel Oscar.“

Ein paar Oscar-Rekorde gefällig? Als jüngste Gewinnerin aller Zeiten wird Tatum O’Neal geführt. Als sie für ihre Nebenrolle in „Paper Moon“ (1973) gewann, war sie zehn Jahre alt. Nicht unter den Tisch fallen gelassen werden darf Shirley Temple. Mit sechs Jahren wurde ihr ein Sonderpreis (ein Miniatur-Oscar) für ihren herausragenden Beitrag zur Filmunterhaltung überreicht. Die älteste Gewinnerin war bisher die 94-jährige Maureen O’Hara, die 2014 für ihr Lebenswerk geehrt wurde. Jessica Tandy war immerhin 81, als sie für die beste Hauptrolle in „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ ausgezeichnet wurde. Die Schauspielerin mit den bisher meisten Nominierungen ist Meryl Streep. Sie wurde bereits 16 Mal nominiert, in diesem Jahr geht sie aber leer aus. Bei den Männern ist Jack Nicholson mit zwölf Nominierungen an der Spitze. Katharine Hepburn hält den Rekord der Schauspielerin mit den meisten Oscars. Sie konnte im Laufe ihrer Karriere vier Stück einheimsen.

Und nun zur aktuellen Verleihung: Für die Kategorie bester Film standen 307 Filme zur Auswahl. Acht davon schafften es auf die Liste der Nominierten. Mit 25 Jahren ist Schauspielerin Jennifer Lawrence die jüngste Vierfach-Nominierte. Für Überraschung hat die Nominierung von Sylvester Stallone als Rocky Balboa in „Creed“ gesorgt. Dabei wurde er bereits 1976 für „Rocky“ nominiert, als bester Schauspieler und für das beste Drehbuch. Kameramann Roger Deakins („Sicario“) ist zum 13. Mal nominiert, Komponist John Williams bereits zum 45. !!! Mal für den besten Soundtrack („Star Wars: The  Force Awakens). Der Film mit den meisten Nominierungen in diesem Jahr – nämlich zwölf – ist „The Revenant“, gefolgt von „Mad Max: Fury Road“ mit zehn Nominierungen.

Wer entscheidet eigentlich über die Gewinner? Die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Science, derzeit 6261 an der Zahl. Die Stimmzettel müssen bis spätestens eine Woche vor der Verleihung bei der Academy eingegangen sein und werden von vereidigten Notaren ausgezählt. In diesem Jahr geriet die Academy in die Kritik. Zum zweiten Mal in Folge wurden nur weiße Darsteller nominiert. Auch in den anderen Kategorien dominierte die Farbe Weiß. Diversität – Fehlanzeige. Einige schwarze Filmschaffende wie Will Smith und Spike Lee hatten daraufhin angekündigt, die Verleihung zu boykottieren. Presenter Chris Rock soll sogar seine Moderation umgeschrieben haben. Die Academy reagierte und kündigte Reformen bei der Auswahl ihrer Mitglieder an. Ob das die erwünschte Veränderung bringt, ist allerdings zu bezweifeln. So viel dazu.

Was spricht dagegen, sich die Oscarverleihung in der Nacht zum 29. Februar anzutun?  Weil sich die „Berichterstattung“ vom Red Carpet endlos in die Länge zieht. Wenn es dann endlich losgeht, ist es 3 Uhr morgens (montagmorgens!!!) – eine unmögliche Zeit für Berufstätige. Weil die Academy angekündigt hat, dass in diesem Jahr die Dankesreden der Gewinner flachfallen. (Die Reden waren bisher immer ein Garant für rührende bis peinliche Fremdschäm-Momente.) Weil es bei den Oscars nicht um wahre Filmkunst, sondern eher um Kommerz geht.

Weshalb ihr euch die Oscars trotzdem live anschauen solltet: Weil man Schlaf nachholen kann. Weil die Show trotz einiger Pannen in den vergangenen Jahren einfach unglaublich unterhaltsam ist. Wann sieht man schon mal so viele Stars auf einem Haufen? Um live mitzuerleben, wie Leonardo DiCaprio den ersten Oscar seiner Karriere gewinnt. Um euren anderen Favoriten die Daumen zu drücken. Um sich mit Fans in aller Welt (die Verleihung wird in 225 Länder übertragen) zeitgleich für eine der schönsten Nebensachen überhaupt zu begeistern – für Kino.

Lest dazu auch „Die Nominierungen“, „Kein Platz für Helden – The Revenant“ , „The Hateful 8 – Was ist los Mr. Tarantino?“ und „Welcome back – Mad Max: Fury Road“ .

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Kein Platz für Helden – THE REVENANT

In „The Revenant“ gibt es keinen Helden. In Alejandro G. Inarritus neuestem Streich geht es ums Überleben, um die Natur  – und um die Natur des Menschen.

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Mit Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) ist nicht zu spaßen. Das bekommt auch ein Grizzly zu spüren.  Foto: 20th Century Fox

Pelzig im Abgang

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts schlägt sich eine Truppe Männer durch die Wälder der Great Plains. Unter ihnen sind Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) und sein Sohn Hawk, ein Halbindianer. Sie erschießen Tiere, haben es auf deren Felle abgesehen. Der Handel mit Pelzen ist in jener Zeit äußerst lukrativ. Doch Expeditionen wie diese bergen nicht nur Abenteuer, sondern auch Gefahren. Die Männer wildern auf dem Territorium der Arikaree-Indianer. Die sehen die Eindringlinge gar nicht gern und verteidigen Tiere und Land mit Pfeil und Bogen. Bei einem dieser Angriffe werden die Trapper um Hugh Glass bis auf ein Drittel dezimiert. Nur wenige können sich auf ein Boot retten. Den Großteil der Pelze müssen sie zurücklassen. Und es kommt noch heftiger: Glass wird von einer Grizzlybärin so übel zugerichtet, dass er für seine Compagnons nur noch eine Bürde ist. Sie lassen den Halbtoten zurück.

Der Ex-Soldat John Fitzgerald (Tom Hardy), der junge Jim Bridger (Will Poulter) und Hawk bleiben bei Glass. Nicht etwa, um ihn zusammenzuflicken oder um ihm gar Trost zu spenden. Weit gefehlt. Die Männer verlieren keine Zeit und heben schon mal vorsorglich ein Grab aus. Weil Glass aber nicht so schnell stirbt, wie Fitzgerald es gern hätte, hilft er nach. Hawk will seinen Vater retten, wird aber von Fitzgerald erstochen. Der flüchtet danach mit dem ahnungslosen Bridger. Glass bleibt nichts weiter als ein Bärenfell, eine Trinkflasche und sein Durst nach Rache.

Nun ist der Wunsch nach Lynchjustiz zwar nachvollziehbar, aber wenig nett. Für Glass ist er jedoch Antrieb und Rettung zugleich. Leben regt sich in dem Bärenopfer. Glass robbt durch den Schnee, fällt einen Wasserfall hinunter, fängt Fische mit der bloßen Hand (Gollum-Alarm), freundet sich mit einem Indianer an und kommt dessen sterbendem Pferd in Ermangelung einer wärmenden Decke erstaunlich nah. Als er schließlich im Fort der Trapper ankommt, ist er wieder fit wie ein Turnschuh und bereit, Fitzgerald zu jagen.

Leo ohne Läuterung

Für die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Sciences ist „The Revenant“ der Film des Jahres. Mit zwölf Nominierungen ist das Survival-Abenteuer der Oscarfavorit Nummer 1. Es ist höchst erstaunlich, wie der Mexikaner Alejandro G. Inarritu nur ein Jahr nach „Birdman“ den nächsten Hochkaräter raushaut. Diesmal zog es den Filmemacher aber nicht in die gut geheizten Kulissen einer Theaterproduktion, sondern in die ungemütlichen Weiten des amerikanischen Nordwestens. Eine Strapaze für die gesamte Crew – und vor allem für den Hauptdarsteller, will man Leonardo DiCaprio Glauben schenken. Unzählige Male sei er während der Dreharbeiten an seine körperlichen und seelischen Grenzen gestoßen, jammerte er publicitywirksam in Interviews. Dazu muss man festhalten: DiCaprio wurde nicht von einem echten Bären gerissen. (An dieser Stelle Hut ab vor den Computertüftlern. Der Bär ist grandios.) Auch stürzte er nicht leibhaftig in einen Wasserfall. Insgesamt fünf Stuntmen sind im Abspann allein für Herrn DiCaprio gelistet. Warum auch nicht. Der Mann ist Schauspieler und nicht lebensmüde.

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Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) dürstet es nach Rache.  Foto: 20th Century Fox

Wenn die Academy-Mitglieder DiCaprio den Oscar nach vier Anläufen endlich geben wollen – bitte schön. Nur wenig erinnert an den „Titanic“-Helden vergangener Tage. DiCaprios Vorstellung mit Zottelbart und strähniger Matte ist auf unangenehme Weise mitreißend. Und dafür braucht es nur wenige Worte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht grunzt und hechelt er sich durch die Prärie. Seine Frostbeulen kann man förmlich spüren. (War euch auch so kalt im Kino?) DiCaprio gefällt sich inzwischen in der Rolle des Antihelden. Ob „Aviator“, „Blood Diamant“, „Departed“ oder „Wolf of Wallstreet“. DiCaprio sucht den Zwiespalt, die Schwächen, die Abgründe eines Menschen. Sein Glass ist kein Superman. Er ist ein Wilderer, ein Mörder – aus welchen Beweggründen auch immer. So entwickelt man als Zuschauer wenig Sympathie für den Geschundenen. Man sieht ihn leiden, kann nicht wegschauen, auch wenn es unerträglich ist. Glass bedient neben seinem unerschütterlichen Überlebenswillen auch Charakterschwächen wie Habgier und Rachsucht. Dass man ihm dennoch die Daumen drückt, ist DiCaprios Verdienst.

Was seiner Figur allerdings fehlt, ist die Läuterung am Ende. So tötet Glass seinen Widersacher zwar nicht selbst, überlässt ihn aber auch nicht Gottes Gnade, sondern den Arikaree-Indianern, die messerwetzend lauern. Auch mit der Natur söhnt er sich nicht aus. Nur als Teil von ihr, ob im Pferdekadaver oder im Fluss, gelingt es dem Wilderer zu überleben. Ein Umdenken findet nicht statt. So beschreitet der (Anti)Held seine Reise zwar äußerlich, aber nicht in seinem Inneren. Ein unbefriedigendes Ende.

Apropos Antiheld: Tom Hardy ist als Bösewicht Fitzgerald eine Wucht. Hinter Hardys Augen blitzt der Wahnsinn. Sein eiskalter Fitzgerald lässt einen viel mehr frösteln als der ewige Winter in den Bergen.

Die eigentlichen Stars des Films sind aber nicht DiCaprio und Hardy, sondern die Natur und Kameramann Emmanuel Lubezki. In seinen Totalen fängt der Mexikaner monochrome Landschaften ein, in denen die Menschen klein und unbedeutend wirken. Dann wieder ist die Kamera ganz dicht dran an DiCaprio, beschlägt von seinem Atem, kriecht mit ihm durchs Unterholz, windet sich unter dem Grizzly. Wiederkehrend sind die extremen Untersichten – wenn der Verletzte nachts im Wald liegt und sich die vom Frost erstarrten Baumkronen knarzend im Wind wiegen. Sollte Kameramann Lubezki hierfür keinen Oscar gewinnen, fresse ich einen Bären 🙂

The Revenant – Der Rückkehrer (USA 2015)
156 Minuten

Darsteller: Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter, Forrest Goodluck, Paul Anderson, Kristoffer Joner
Regie: Alejandro G. Inarritu
Drehbuch: Mark L. Smith, Alejandro G. Inarritu
Kamera: Emmanuel Lubezki
Schnitt: Stephen Mirrione
Musik: Bryce Dessner, Alva Noto, Ryuichi Sakamoto
Produktion: Steve Golin, Alejandro G. Inarritu, David Kanter, Arnon Milchan, Mary Parent, Keith Redmon, James W. Skotchdopole

 

Wart ihr schon im Kino? Drückt ihr „The Revenant“ die Daumen? Oder was ist eure Meinung? Schreibt mir.

Lest dazu auch „Warten auf Oscar – die Nominierungen“.

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Warten auf Oscar – Die Nominierungen

80th Academy Awards Parade of the Oscars

Oscar-Rennen eröffnet. Foto: Richard Harbaugh / ©A.M.P.A.S.

Das Rennen um den wohl begehrtesten Preis der Filmbranche ist eröffnet. In Beverly Hills sind am Donnerstag um 5.30 Uhr Ortszeit (um 14.30 Uhr deutscher Zeit) die Nominierungen für die Oscars 2016 bekannt gegeben worden. In diesem Jahr teilen sich zwei Filme die Favoriten-Rolle. Wie erwartet führt „The Revenant“ das Feld an. Das Survival-Drama erhielt zwölf Nominierungen. „Mad Max: Fury Road“ konnte insgesamt zehn Nominierungen einheimsen. Für Leonardo DiCaprio  stehen die Chancen gut, dass er den ersten Oscar seiner Karriere gewinnt. Er ist für die beste Hauptrolle in „The Revenant“ nominiert. Hoffnungen machen darf sich auch Michael Fassbender, der in „Steve Jobs“ den streitbaren Apple-Visionär verkörpert. Oder punktet schlussendlich Eddie Redmayne („The Danish Girl“) zum zweiten Mal hintereinander? Bei den Frauen wird es sogar noch spannender. Eigentlich galt bis vor Kurzem Cate Blanchett („Carol“) als Favoritin. Nachdem ihr Bree Larson („Room“) vor wenigen Tagen den Golden Globe vor der Nase weggeschnappt hat, ist das Rennen wieder offen.

Die Oscars werden am Sonntag, 28. Februar, im Dolby Theater in Hollywood verliehen. Die Veranstaltung wird in mehr als 200 Länder übertragen.

Hier für euch alle Nominierungen im Überblick.

Performance by an actor in a leading role / männliche Hauptrolle

  • Bryan Cranston in “Trumbo”
  • Matt Damon in “The Martian”
  • Leonardo DiCaprio in “The Revenant”
  • Michael Fassbender in “Steve Jobs”
  • Eddie Redmayne in “The Danish Girl”

Performance by an actor in a supporting role / männliche Nebenrolle

  • Christian Bale in “The Big Short”
  • Tom Hardy in “The Revenant”
  • Mark Ruffalo in “Spotlight”
  • Mark Rylance in “Bridge of Spies”
  • Sylvester Stallone in “Creed”

Performance by an actress in a leading role / weibliche Hautrolle

  • Cate Blanchett in “Carol”
  • Brie Larson in “Room”
  • Jennifer Lawrence in “Joy”
  • Charlotte Rampling in “45 Years”
  • Saoirse Ronan in “Brooklyn”

Performance by an actress in a supporting role / weibliche Nebenrolle

  • Jennifer Jason Leigh in “The Hateful Eight”
  • Rooney Mara in “Carol”
  • Rachel McAdams in “Spotlight”
  • Alicia Vikander in “The Danish Girl”
  • Kate Winslet in “Steve Jobs”

Best animated feature film of the year / Trickfilm

  • “Anomalisa” Charlie Kaufman, Duke Johnson and Rosa Tran
  • “Boy and the World” Alê Abreu
  • “Inside Out” Pete Docter and Jonas Rivera
  • “Shaun the Sheep Movie” Mark Burton and Richard Starzak
  • “When Marnie Was There” Hiromasa Yonebayashi and Yoshiaki Nishimura

Achievement in cinematography / Kamera

  • “Carol” Ed Lachman
  • “The Hateful Eight” Robert Richardson
  • “Mad Max: Fury Road” John Seale
  • “The Revenant” Emmanuel Lubezki
  • “Sicario” Roger Deakins

Achievement in costume design

  • “Carol” Sandy Powell
  • “Cinderella” Sandy Powell
  • “The Danish Girl” Paco Delgado
  • “Mad Max: Fury Road” Jenny Beavan
  • “The Revenant” Jacqueline West

Achievement in directing / Regie

  • “The Big Short” Adam McKay
  • “Mad Max: Fury Road” George Miller
  • “The Revenant” Alejandro G. Iñárritu
  • “Room” Lenny Abrahamson
  • “Spotlight” Tom McCarthy

Best documentary Feature / Dokumentarfilm

  • “Amy” Asif Kapadia and James Gay-Rees
  • “Cartel Land” Matthew Heineman and Tom Yellin
  • “The Look of Silence” Joshua Oppenheimer and Signe Byrge Sørensen
  • “What Happened, Miss Simone?” Liz Garbus, Amy Hobby and Justin Wilkes
  • “Winter on Fire: Ukraine’s Fight for Freedom” Evgeny Afineevsky and Den Tolmor

Best documentary short subject / dokumentarischer Kurzfilm

  • “Body Team 12” David Darg and Bryn Mooser
  • “Chau, beyond the Lines” Courtney Marsh and Jerry Franck
  • “Claude Lanzmann: Spectres of the Shoah” Adam Benzine
  • “A Girl in the River: The Price of Forgiveness” Sharmeen Obaid-Chinoy
  • “Last Day of Freedom” Dee Hibbert-Jones and Nomi Talisman

Achievement in film editing / Schnitt

  • “The Big Short” Hank Corwin
  • “Mad Max: Fury Road” Margaret Sixel
  • “The Revenant” Stephen Mirrione
  • “Spotlight” Tom McArdle
  • “Star Wars: The Force Awakens” Maryann Brandon and Mary Jo Markey

Best foreign language film of the year / ausländischer Film

  • “Embrace of the Serpent” Colombia
  • “Mustang” France
  • “Son of Saul” Hungary
  • “Theeb” Jordan
  • “A War” Denmark

Achievement in makeup and hairstyling

  • “Mad Max: Fury Road” Lesley Vanderwalt, Elka Wardega and Damian Martin
  • “The 100-Year-Old Man Who Climbed out the Window and Disappeared” Love Larson and Eva von Bahr
  • “The Revenant” Siân Grigg, Duncan Jarman and Robert Pandini

Achievement in music written for motion pictures (Original score)

  • “Bridge of Spies” Thomas Newman
  • “Carol” Carter Burwell
  • “The Hateful Eight” Ennio Morricone
  • “Sicario” Jóhann Jóhannsson
  • “Star Wars: The Force Awakens” John Williams

Achievement in music written for motion pictures (Original song)

  • “Earned It” from “Fifty Shades of Grey”
    Music and Lyric by Abel Tesfaye, Ahmad Balshe, Jason Daheala Quenneville and Stephan Moccio
  • “Manta Ray” from “Racing Extinction”
    Music by J. Ralph and Lyric by Antony Hegarty
  • “Simple Song #3” from “Youth”
    Music and Lyric by David Lang
  • “Til It Happens To You” from “The Hunting Ground”
    Music and Lyric by Diane Warren and Lady Gaga
  • “Writing’s On The Wall” from “Spectre”
    Music and Lyric by Jimmy Napes and Sam Smith

Best motion picture of the year / bester Film

  • “The Big Short” Brad Pitt, Dede Gardner and Jeremy Kleiner, Producers
  • “Bridge of Spies” Steven Spielberg, Marc Platt and Kristie Macosko Krieger, Producers
  • “Brooklyn” Finola Dwyer and Amanda Posey, Producers
  • “Mad Max: Fury Road” Doug Mitchell and George Miller, Producers
  • “The Martian” Simon Kinberg, Ridley Scott, Michael Schaefer and Mark Huffam, Producers
  • “The Revenant” Arnon Milchan, Steve Golin, Alejandro G. Iñárritu, Mary Parent and Keith Redmon, Producers
  • “Room” Ed Guiney, Producer
  • “Spotlight” Michael Sugar, Steve Golin, Nicole Rocklin and Blye Pagon Faust, Producers

Achievement in production design

  • “Bridge of Spies” Production Design: Adam Stockhausen; Set Decoration: Rena DeAngelo and Bernhard Henrich
  • “The Danish Girl” Production Design: Eve Stewart; Set Decoration: Michael Standish
  • “Mad Max: Fury Road” Production Design: Colin Gibson; Set Decoration: Lisa Thompson
  • “The Martian” Production Design: Arthur Max; Set Decoration: Celia Bobak
  • “The Revenant” Production Design: Jack Fisk; Set Decoration: Hamish Purdy

Best animated short film

  • “Bear Story” Gabriel Osorio and Pato Escala
  • “Prologue” Richard Williams and Imogen Sutton
  • “Sanjay’s Super Team” Sanjay Patel and Nicole Grindle
  • “We Can’t Live without Cosmos” Konstantin Bronzit
  • “World of Tomorrow” Don Hertzfeldt

Best live action short film

  • “Ave Maria” Basil Khalil and Eric Dupont
  • “Day One” Henry Hughes
  • “Everything Will Be Okay (Alles Wird Gut)” Patrick Vollrath
  • “Shok” Jamie Donoughue
  • “Stutterer” Benjamin Cleary and Serena Armitage

Achievement in sound editing

  • “Mad Max: Fury Road” Mark Mangini and David White
  • “The Martian” Oliver Tarney
  • “The Revenant” Martin Hernandez and Lon Bender
  • “Sicario” Alan Robert Murray
  • “Star Wars: The Force Awakens” Matthew Wood and David Acord

Achievement in sound mixing

  • “Bridge of Spies” Andy Nelson, Gary Rydstrom and Drew Kunin
  • “Mad Max: Fury Road” Chris Jenkins, Gregg Rudloff and Ben Osmo
  • “The Martian” Paul Massey, Mark Taylor and Mac Ruth
  • “The Revenant” Jon Taylor, Frank A. Montaño, Randy Thom and Chris Duesterdiek
  • “Star Wars: The Force Awakens” Andy Nelson, Christopher Scarabosio and Stuart Wilson

Achievement in visual effects

  • “Ex Machina” Andrew Whitehurst, Paul Norris, Mark Ardington and Sara Bennett
  • “Mad Max: Fury Road” Andrew Jackson, Tom Wood, Dan Oliver and Andy Williams
  • “The Martian” Richard Stammers, Anders Langlands, Chris Lawrence and Steven Warner
  • “The Revenant” Rich McBride, Matthew Shumway, Jason Smith and Cameron Waldbauer
  • “Star Wars: The Force Awakens” Roger Guyett, Patrick Tubach, Neal Scanlan and Chris Corbould

Adapted screenplay / adaptiertes Drehbuch

  • “The Big Short” Screenplay by Charles Randolph and Adam McKay
  • “Brooklyn” Screenplay by Nick Hornby
  • “Carol” Screenplay by Phyllis Nagy
  • “The Martian” Screenplay by Drew Goddard
  • “Room” Screenplay by Emma Donoghue

Original screenplay / Original-Drehbuch

  • “Bridge of Spies” Written by Matt Charman and Ethan Coen & Joel Coen
  • “Ex Machina” Written by Alex Garland
  • “Inside Out” Screenplay by Pete Docter, Meg LeFauve, Josh Cooley; Original story by Pete Docter, Ronnie del Carmen
  • “Spotlight” Written by Josh Singer & Tom McCarthy
  • “Straight Outta Compton” Screenplay by Jonathan Herman and Andrea Berloff; Story by S. Leigh Savidge & Alan Wenkus and Andrea Berloff

Welche Nominierung hat euch besonders überrascht? Oder wurde ein Film gänzlich vergessen? Lasst uns lästern. Schreibt mir einfach!

 

Lest dazu auch „Academy startet Promo-Kampagne“.

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