Na endlich – Leo kriegt den Oscar

88th Oscars®, Academy Awards, Press Rooms

Die strahlenden Gewinner der 88. Academy Awards (von links): Mark Rylance, Brie Larson, Leonardo DiCaprio und Alicia Vikander. Foto: Phil McCarten/A.M.P.A.S.

Dem großen Manitu sei dank – Leonardo DiCaprio hat endlich seinen Oscar bekommen. Fünf Mal war DiCaprio zuvor leer ausgegangen. Mit der Hauptrolle im Survival-Drama „The Revenant“ konnte er die Academy-Mitglieder nun überzeugen. Seine „Krönung“ zum besten Schauspieler war der Höhepunkt der 88. Academy Awards. Und was musste Leo nicht alles erleiden als vom Bären angefressener und von Hass zerfressener Trapper in der amerikanischen Wildnis. Er habe während der Dreharbeiten seelisch und körperlich leiden müssen, betonte DiCaprio zuvor in etlichen Interviews. Man gewann fast den Eindruck, als habe ihn Regisseur Alejandro G. Inarritu gezwungen, auch während der Drehpausen hungernd und frierend in einem vereisten Erdloch auszuharren – als sei er genötigt worden, die Rolle zu übernehmen und dafür eine Millionengage einzustreichen. Spaß beiseite: In „The Revenant“ lieferte DiCaprio zwar nicht die beste Leistung seiner Karriere ab, wohl aber die, die am nachhaltigsten im Gedächtnis bleibt. Absolut oscarwürdig!

Leonardo DiCaprios Sieg kam nicht überraschend, hatte er doch zuvor bei zahlreichen anderen Preisverleihungen abgeräumt. Wie auch Brie Larson, die für ihre Hauptrolle in „Room“ ausgezeichnet wurde. So hatten viele Oscar-Fans auch Sylvester Stallone auf dem Zettel. In „Creed“ war der inzwischen 69-jährige Hollywood-Haudegen bereits zum siebten Mal in die Rolle des Boxers Rocky Balboa geschlüpft. Zur großen Verwunderung wurde aber Mark Rylance zum besten Nebendarsteller gekürt, der in „Bridge of Spies“ einen russischen Spion spielte. Ganz so vorhersehbar entscheiden die Academy-Mitglieder eben doch nicht immer. Den Oscar für die beste Nebendarstellerin erhielt Alicia Vikander. Die Schwedin glänzte als Frau von „The Danish Girl“ Eddie Redmayne.

Bester Film des Jahres ist das Enthüllungs-Drama „Spotlight“. „The Revenant“ gewann weitere Preise für die beste Regie (Alejandro G. Inarritu) und Kamera (Emmanuel Lubezki). Die Nase vorn hatte jedoch ein anderer Film. Insgesamt sechs Oscars (darunter bester Schnitt, beste Kostüme, bester Ton) gingen an George Millers Endzeit-Action-Kracher „Mad Max: Fury Road“. Das ist auch mal ein Statement.

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US-Komiker Chris Rock führte mit beißendem Spott durch die Show. Foto: Marc Suban/A.M.P.A.S.

Allerdings waren es nicht wirklich Filme, die im Mittelpunkt der diesjährigen Oscar-Verleihung standen. Die Diversity-Debatte hatte vorab für Schlagzeilen gesorgt. Die Academy musste heftige Kritik einstecken, weil zum zweiten Mal in Folge keine schwarzen Darsteller nominiert waren. Und das Thema bestimmte auch die Show. Moderator und Komiker Chris Rock erwies sich als echter Glücksgriff und teilte mächtig aus – gegen die Academy, gegen die Filmindustrie, aber auch gegen seine schwarzen Kollegen – so etwa gegen Jada Pinkett Smith. Die Frau von Will Smith hatte angekündigt, die Oscar-Verleihung zu boykottieren. Wie sie etwas boykottieren könne, zu dem sie gar nicht eingeladen sei, ätzte Chris Rock und hatte die Lacher (meist) auf seiner Seite. Was die schwarzen Filmschaffenden wirklich bräuchten, seien Chancen – also gute Rollen in guten Filmen. Recht hat er.

Für einen der rührendsten Momente der Show sorgte Ennio Morricone. Der 87-jährige Kult-Komponist des Spaghetti-Western erhielt den ersten, längst überfälligen Oscar seiner Karriere (den Ehren-Oscar ausgenommen) für die Filmmusik in Quentin Tarantinos Schnee-Western „The Hateful 8“. Gänsehaut-Stimmung verbreitete Musiker Dave Grohl mit dem Beatles-Klassiker „Blackbird“, als traditionell an die in den vergangenen zwölf Monaten verstorbenen Kollegen erinnert wurde.

Weitere emotionale Momente? Fehlanzeige. Nach dem grandiosen Auftakt von Chris Rock geriet die Show zur nüchternen Ansage der Gewinner. Daran konnten auch die Auftritte von Sam Smith (unterirdisch), Lady Gaga und Weeknd nichts ändern. Ein sprichwörtlicher Griff ins Klo war die Einblendung der Personen, denen die Preisträger dankten. Die Namen liefen viel zu schnell durchs Bild, erinnerten eher an Börsenkurse als an eine nette Geste. Eine völlig unnötige Neuerung, zumal die meisten Namen während der Dankesreden wiederholt wurden. Inakzeptabel und respektlos war wieder einmal auch, dass die Dankesworte nach ein paar Sekunden durch Musik abgewürgt wurden. Lediglich Leonardo DiCaprio, der eine flammende Rede auf den Umweltschutz hielt, wurde nicht unterbrochen.

Und das ist auch, was von den 88. Academy Awards in Erinnerung bleibt: DiCaprios Worte und das strahlende Lächeln eines Siegers.

PS: Ich lese gerade, ich habe bei Ma-Gos Oscar-Tippspiel den zweiten Platz gewonnen. Das ist doch mal was 🙂

Die Preisträger der 88. Academy-Awards

Bester Film: „Spotlight“
Bester Hauptdarsteller: Leonardo DiCaprio, „The Revenant“
Beste Hauptdarstellerin: Brie Larson, „Room“
Bester Nebendarsteller: Mark Rylance, „Bridge of Spies“
Beste Nebendarstellerin: Alicia Vikander, „The Danish Girl“
Beste Regie: Alejandro González Iñárritu, „The Revenant“
Beste Kamera: Emmanuel Lubezki, „The Revenant“
Bester Filmsong: Sam Smith und Jimmy Napes, „Writing’s on the „Wall“ aus „James Bond 007: Spectre“
Beste Filmmusik: Ennio Morricone, „The Hateful 8“
Bester fremdsprachiger Film: László Nemes, „Son of Saul“
Bestes adaptiertes Drehbuch: Adam McKay und Charles Randolph, „The Big Short“
Bestes Originaldrehbuch: Tom McCarthy und Josh Singer, „Spotlight“
Bester Kurzfilm: Serena Armitage und Benjamin Cleary, „Stutterer“
Bester Dokumentarfilm: Asif Kapadia und James Gay-Rees, „Amy“
Bester Dokumentar-Kurzfilm: Sharmeen Obaid-Chinoy, „A Girl in the River: The Price of Forgiveness“
Bester Animationsfilm: Pete Docter und Jonas Rivera, „Alles steht Kopf“
Bester animierter Kurzfilm: Gabriel Osorio und Pato Escala, „Bear Story“
Beste visuelle Effekte: Mark Williams Ardington, Sara Bennett, Paul Norris und Andrew Whitehurst, „Ex Machina“
Bester Ton: Chris Jenkins, Gregg Rudloff und Ben Osmo, „Mad Max: Fury Road“
Bester Tonschnitt: Mark A. Mangini und David White, „Mad Max: Fury Road“
Bester Schnitt: Margaret Sixel, „Mad Max: Fury Road“
Bestes Make-up und Frisuren: Lesley Vanderwalt, Elka Wardega und Damian Martin, „Mad Max: Fury Road“
Bestes Szenenbild: Colin Gibson und Lisa Thompson, „Mad Max: Fury Road“
Bestes Kostümdesign: Jenny Beavan, „Mad Max: Fury Road“

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Oscar für Besserwisser

88th Oscars®, Academy Awards, Wednesday Rehearsals

Warten auf Oscar: Am Sonntag wird in Los Angelos der begehrteste Filmpreis der Welt verliehen. Foto: Richard Harbaugh / ©A.M.P.A.S.

Die 88. Academy Awards stehen vor der Tür. Ihr habt keinen blassen Schimmer, wollt aber dennoch beim Smalltalk glänzen? Dann seid ihr bei mir genau richtig. Hier bekommt ihr jede Menge unnützes Oscar-Wissen, mit dem ihr Eindruck schinden könnt. Und los geht’s.

Zu aller erst: Wer ist eigentlich dieser Oscar? Die berühmte Statue zeigt einen Ritter, der ein Schwert hält und auf einer Filmrolle steht. Wie es heißt, wurde die nackte Figur ohne ein männliches Modell kreiert (hört, hört). Die Statue ist genau 34,29 Zentimeter hoch, ganze 3,856 Kilogramm schwer und mit einer 24-karätigem Goldschicht überzogen. Offiziell heißt der begehrte Filmpreis „Academy Award of Merit“. Inoffizieller Name ist Oscar – und das schon seit den 1930er Jahren. Woher der Name rührt, fällt inzwischen ins Reich der Hollywood-Legenden. Angeblich soll eine Academy-Sekretärin beim Anblick der Statue gesagt haben: „Der sieht ja aus wie mein Onkel Oscar.“

Ein paar Oscar-Rekorde gefällig? Als jüngste Gewinnerin aller Zeiten wird Tatum O’Neal geführt. Als sie für ihre Nebenrolle in „Paper Moon“ (1973) gewann, war sie zehn Jahre alt. Nicht unter den Tisch fallen gelassen werden darf Shirley Temple. Mit sechs Jahren wurde ihr ein Sonderpreis (ein Miniatur-Oscar) für ihren herausragenden Beitrag zur Filmunterhaltung überreicht. Die älteste Gewinnerin war bisher die 94-jährige Maureen O’Hara, die 2014 für ihr Lebenswerk geehrt wurde. Jessica Tandy war immerhin 81, als sie für die beste Hauptrolle in „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ ausgezeichnet wurde. Die Schauspielerin mit den bisher meisten Nominierungen ist Meryl Streep. Sie wurde bereits 16 Mal nominiert, in diesem Jahr geht sie aber leer aus. Bei den Männern ist Jack Nicholson mit zwölf Nominierungen an der Spitze. Katharine Hepburn hält den Rekord der Schauspielerin mit den meisten Oscars. Sie konnte im Laufe ihrer Karriere vier Stück einheimsen.

Und nun zur aktuellen Verleihung: Für die Kategorie bester Film standen 307 Filme zur Auswahl. Acht davon schafften es auf die Liste der Nominierten. Mit 25 Jahren ist Schauspielerin Jennifer Lawrence die jüngste Vierfach-Nominierte. Für Überraschung hat die Nominierung von Sylvester Stallone als Rocky Balboa in „Creed“ gesorgt. Dabei wurde er bereits 1976 für „Rocky“ nominiert, als bester Schauspieler und für das beste Drehbuch. Kameramann Roger Deakins („Sicario“) ist zum 13. Mal nominiert, Komponist John Williams bereits zum 45. !!! Mal für den besten Soundtrack („Star Wars: The  Force Awakens). Der Film mit den meisten Nominierungen in diesem Jahr – nämlich zwölf – ist „The Revenant“, gefolgt von „Mad Max: Fury Road“ mit zehn Nominierungen.

Wer entscheidet eigentlich über die Gewinner? Die Mitglieder der Academy of Motion Picture Arts and Science, derzeit 6261 an der Zahl. Die Stimmzettel müssen bis spätestens eine Woche vor der Verleihung bei der Academy eingegangen sein und werden von vereidigten Notaren ausgezählt. In diesem Jahr geriet die Academy in die Kritik. Zum zweiten Mal in Folge wurden nur weiße Darsteller nominiert. Auch in den anderen Kategorien dominierte die Farbe Weiß. Diversität – Fehlanzeige. Einige schwarze Filmschaffende wie Will Smith und Spike Lee hatten daraufhin angekündigt, die Verleihung zu boykottieren. Presenter Chris Rock soll sogar seine Moderation umgeschrieben haben. Die Academy reagierte und kündigte Reformen bei der Auswahl ihrer Mitglieder an. Ob das die erwünschte Veränderung bringt, ist allerdings zu bezweifeln. So viel dazu.

Was spricht dagegen, sich die Oscarverleihung in der Nacht zum 29. Februar anzutun?  Weil sich die „Berichterstattung“ vom Red Carpet endlos in die Länge zieht. Wenn es dann endlich losgeht, ist es 3 Uhr morgens (montagmorgens!!!) – eine unmögliche Zeit für Berufstätige. Weil die Academy angekündigt hat, dass in diesem Jahr die Dankesreden der Gewinner flachfallen. (Die Reden waren bisher immer ein Garant für rührende bis peinliche Fremdschäm-Momente.) Weil es bei den Oscars nicht um wahre Filmkunst, sondern eher um Kommerz geht.

Weshalb ihr euch die Oscars trotzdem live anschauen solltet: Weil man Schlaf nachholen kann. Weil die Show trotz einiger Pannen in den vergangenen Jahren einfach unglaublich unterhaltsam ist. Wann sieht man schon mal so viele Stars auf einem Haufen? Um live mitzuerleben, wie Leonardo DiCaprio den ersten Oscar seiner Karriere gewinnt. Um euren anderen Favoriten die Daumen zu drücken. Um sich mit Fans in aller Welt (die Verleihung wird in 225 Länder übertragen) zeitgleich für eine der schönsten Nebensachen überhaupt zu begeistern – für Kino.

Lest dazu auch „Die Nominierungen“, „Kein Platz für Helden – The Revenant“ , „The Hateful 8 – Was ist los Mr. Tarantino?“ und „Welcome back – Mad Max: Fury Road“ .

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Warten auf Oscar – Academy startet Promo-Kampagne

„Wir alle träumen in gold“ – das ist das Motto der Oscarverleihung 2016. Kurz vor der Bekanntgabe der Nominierungen am Donnerstag hat die Academy ihre Promo-Kampagne  mit mehreren Plakaten gestartet. Im Mittelpunkt steht der Slogan „We all dream in Gold“. Die Plakate wirken dezent, sind dennoch richtige Hingucker. Klassisch in Schwarzweiß zeigen sie Oscar-Moderator Chris Rock sowie einige Gewinner der Vergangenheit, darunter George Clooney, Lupita Nyong’o, Ben Affleck, Jack Nicholsen und Daniel Day-Lewis.

Die neue Kampagne illustriert die emotionale Kraft von Filmen, heißt es von der Academy. Filme würden uns ermutigen, an unsere Träume zu glauben, und uns vor Augen führen, dass Träume grenzenlos sind. “Die Dream-Kampagne verkörpert all das, was die Menschen an den Oscars lieben“, sagt Christina Kounelias von der Academy. „Die Bandbreite von Emotionen und die Aufregung, die bei den unvergesslichen Momenten der Liveshow mitschwingt.“ Die Fans würden sich auch auf Comedy und Unerwartetes freuen. „Das bekommen sie mit Moderator Chris Rock.  Sein Humor und die eher dramatischen Momente der Show werden einander großartig ergänzen“, so Kounelias.

Was sagt ihr zur Oscar-Kampagne? Ich finde sie ganz goldig 🙂

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