Manchmal kommen sie wieder – Independence Day: Wiederkehr

Fortsetzungen sind für Roland Emmerich ein rotes Tuch – gewesen. Bis vor einigen Jahren hat sich der Regisseur vehement gegen Sequels und Reboots zur Wehr gesetzt. Aber wie heißt es so schön: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern? Im stillen Kämmerlein arbeitet Emmerich schon seit einer Weile an einer Neuauflage von „Stargate“ (1994). Die Fortsetzung seines Blockbusters „Independence Day“ (1996) lief vor kurzem in den Kinos an. Die technischen Möglichkeiten von heute würden ihn reizen, so Emmerich. Sie hätten den Ausschlag für seinen plötzlichen Meinungswandel gegeben. Darüber hinaus die Chance, mit einer Riege frischer junger Darsteller zu arbeiten und die Geschichte von einst weiter zu spinnen. Nun ja, das Geld wird auch eine Rolle gespielt haben.

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„Independence Day: Wiederkehr“ – Unheil ist im Anmarsch, rette sich, wer kann. Foto: 20th Century Fox

Hoffentlich hat es das. Dann wäre am Ende wenigstens einer zufrieden – nämlich Regisseur und Produzent Roland Emmerich. Ich als Zuschauer bin es nicht. Dabei habe ich wirklich hohe Erwartungen in „Independence Day: Wiederkehr“ gesetzt. Gerade weil mich der Film vor 20 Jahren so umgehauen hat.

Independence Day – ein Film mit finalem Knalleffekt

Jeff Goldblum, Will Smith und Bill Pullman – das war der Stoff, aus dem die Helden sind: schlagkräftig, schlagfertig – und verdammt cool. Da überlegt man es sich als Alien doch glatt zweimal, ob man anfängt, auf der Erde rumzupöbeln. Judd Hirsch und Randy Quaid gaben die Sidekicks, die für die nötigen Lacher sorgten. Dazu die Effekte, mit denen Emmerich die halbe Welt in Schutt und Asche legte. Auch die Handlung selbst – die bewährte Mischung aus Katastrophen- und Actionfilm – funktionierte. Wie war das doch gleich? Außerirdische wollen die Erde besiedeln, müssen vorher aber noch schnell die Menschheit vernichten. Den Erdlingen schmeckt das gar nicht, und nach einigen Irrungen und Wirrungen schicken sie ein finales Zerstörungskommando hinauf zur Alien-Flotte. Das Ganze trägt sich am 4. Juli zu – dem Unabhängigkeitstag der Amerikaner, der dem Film auch gleich den schmissigen Titel lieferte. Und am Ende gibt es ein Feuerwerk. Das war einfach – einfach mitreißend und einfach effektiv. Das Popcornkino der 90er – beste Unterhaltung.

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„Independence Day: Wiederkehr“ – Die alten Haudegen gibt es auch noch: Jeff Goldblum (links) und Bill Pullman. Foto: 20th Century Fox

Wie gesagt, ich hatte hohe Erwartungen an „Independence Day: Wiederkehr“. Und das war wohl auch das Problem. Wenn sich einer 20 Jahre Zeit lässt, bis er seine eroberungswütigen Aliens wieder auf die Erde hetzt, möchte man meinen, dass er die Zeit gut genutzt hat, dass er uns erneut umhauen will. Hat er aber nicht.

Auch im Film sind 20 Jahre vergangen. Nachdem die Menschen die bösen Aliens auf den Mond geschossen haben (im übertragenen Sinne), sind sie selbst auf dem Erdtrabanten gelandet. Der Mond ist zur Verteidigungsbasis gegen feindliche Übergriffe aus dem All aufgerüstet worden – für den Fall, dass die tentakelschwingenden Außerirdischen eines Tages zurückkehren. Und Überraschung – das tun sie auch. Die Menschen setzen erneut zuerst das halbe Militär in den Sand, sind erneut überrascht, dass die Aliens sich mit einem Schutzschild schützen. Erneut halten die Menschen aller Herren Länder zusammen – um am Ende erneut zuzuschauen, wie die Amis die Erde retten. Zwischendrin wird wieder die halbe Welt in Schutt und Asche gelegt. Man muss ja schließlich was zu sehen kriegen für die vielen Millionen Dollar, die allein für die Special Effects verpulvert wurden.

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„Independence Day: Wiederkehr“ – Soll die Welt retten – Liam Hemsworth. Foto: 20th Century Fox

Wo ist die Fat Lady?

Viele Motive wiederholen sich. Neue Ideen wie die extraterrestriale künstliche Intelligenz und die monströse Alienkönigin sind zwar nett anzuschauen, zünden aber nicht wirklich. Und die neue Schauspielerriege? Ehrlich gesagt, habe ich die achso frischen und unverbrauchten Gesichter schon wieder vergessen. Okay, an Liam Hemsworth erinnere ich mich. Aber auch nur, weil sein großer Bruder Thor heißt. Und Charakterdarstellerin Charlotte Gainsbourg ist eine komplette Fehlbesetzung. Der gute Will Smith muss das Debakel geahnt haben, als er für den Film absagte. Was seltsamerweise fehlt, ist die Fat Lady – die Zigarre, die die Piloten nach ihrem Sieg paffen. Warum Emmerich bei all den anderen Wiederholungen ausgerechnet darauf verzichtet, ist mir schleierhaft.

Was bleibt, ist ein schaler Geschmack, das Gefühl von Enttäuschung, die Erkenntnis, dass man sich öfter an sein Geschwätz von gestern erinnern sollte.  Der einzige Lichtblick ist Jeff Goldblum, der mit inzwischen über 60 Jahren immer noch unglaublich gut aussieht. So gut, dass er es nicht nur mit auf Krawall gebürsteten Aliens, sondern auch mit einer Horde wildgewordener Dinos aufnehmen könnte 🙂

Independence Day: Wiederkehr (USA, 2016)
120 Minuten
Darsteller: Jeff Goldblum, Bill Pullman, Liam Hemsworth, Jessie Usher, Maika Monroe, Sela Ward, Charlotte Gainsbourg, Vivica A.Fox, William Fichtner, Brent Spiner, Judd Hirsch, Joey King
Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: Carter Blanchard, Dean Devlin, Roland Emmerich
Kamera: Markus Förderer
Schnitt: Adam Wolfe
Musik: Harald Kloser, Thomas Wander
Produktion: Dean Devlin, Roland Emmerich, Harald Kloser

Seid ihr auch so enttäuscht aus dem Kino gegangen? Hat euch irgendetwas an dem Film umgehauen? Schreibt mir.

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