Mein Liebster Award – eine Premiere

Meine erste Nominierung für MEIN LIEBSTER AWARD. Danke schön, WordBUZZz, dass du an mich gedacht hast. Auch wenn die Fragen richtig harte Nüsse sind. Ich werde mir Mühe geben 🙂

Wie stehst du zu den Thema Zeit heilt alle Wunden?
Hoffen wir mal, dass es stimmt.

Darf man in deinen Augen Babys von Anfang an vegetarisch/ vegan ernähren?
Dann wäre Muttermilch doch auch verboten, oder nicht? Denn die ist ja nun definitiv nicht pflanzlich. Auch wenn Veganer mich jetzt schelten mögen, ich vertrete den Standpunkt, dass alles in Maßen nicht ungesund sein kann. Das gilt für Erwachsene genauso wie für Kinder und Babys. Obwohl es auf der anderen Seite manchmal nicht einfach ist, mein Kind davon zu überzeugen, Gemüse zu essen.

Mit welcher Kultur aus welchem Land könntest du dich am meisten identifizieren?
Ich bezeichne mich  gerne als Italienerin im Geiste. Ich mag die Sprache, die Musik, das Klima, die Lebensart, das Essen, den Wein. Noch näher fühle ich mich aber den Engländern, vor allem was Musik, Filme und den Humor (bilde ich mir zumindest ein) betrifft. Nur auf Bier und Eggs&Bacon könnte ich verzichten.

Welches Lebensmittel/Gericht wolltest du schon immer einmal probieren?
Ich wollte schon immer mal Fliegenpilze kosten, um zu schauen, ob man wirklich halluziniert. Ich traue mich aber nicht. Spaß beiseite, vielleicht einmal ein echt ungarisches Gulasch oder ein echt indisches Curry.

Was muss man in deiner Stadt gesehen/ gemacht haben?
In meiner Geburtsstadt Halle (Saale) fällt mir da die Peißnitz ein. Das sind mehrere kleine Inseln zwischen den Flussarmen der Saale. Dort gibt es Wiesen und Wälder, eine Freilichtbühne und mit dem einstigen Pionierhaus eine kultige Ausflugsgaststätte. Mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine. Quentin Tarantino war schon auf der Peißnitz (wirklich). Und der Dichter Joseph von Eichendorff ließ sich einst auf der Klippe eines Saalefelsens zu seinem Gedicht „Da steht eine Burg übern Tale“ und zu folgenden Zeilen inspirieren: „Da hab ich so oft gestanden, es blühten Täler und Höhn. Und seitdem in allen Landen, sah ich nimmer die Welt so schön!“
Meine Wahlheimat Wernigerode (Harz) ist ein Touristenstädtchen. Da ist sicher einiges zu empfehlen, beispielsweise eine Wanderung auf den sagenumwobenen Brocken. Oder einfach mal zu Walpurgis (30. April) in den Harz kommen. Da tanzen in jedem Ort die Hexen ums Feuer.

Du stichst dir ein Tattoo… Was wäre dein Motiv und wo würdest du es tragen wollen?
Über diese Frage habe ich tatsächlich schon einige Male nachgedacht. Leider konnte ich mich bisher nicht für ein Motiv entscheiden. Sonst hätte ich sicher längst ein Tattoo. Wenn, dann sicher nichts Großes, eher was Kleines.

Welches historische Ereignis würdest du gerne verändern?
Es klingt zwar ziemlich banal, aber wenn  ich es könnte, würde ich gern jeden Krieg in der Vergangenheit und in der Zukunft verhindern. Außerdem würde ich Halle zur Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt küren. Und ich hätte diesen unsäglichen Landes-Slogan „Sachsen-Anhalt – Wir stehen früher auf“ verhindert.

Wenn du in die Zeit zurück reisen könntest, wohin würdest du reisen wollen?
Ich würde in meine Kindheit und Jugend zurückreisen, um einige einschneidende Ereignisse, an die ich mich leider kaum noch erinnere, noch einmal intensiv zu erleben. Außerdem würde ich gern Charlie Chaplin und Orson Welles bei Dreharbeiten über die Schulter schauen und mit John Lennon, Bob Dylan und Keith Richards jammen.

Was ist in letzter Zeit völlig überhypt worden?
Tut mir leid, liebe Skywalker-Fans. Was mir da als erstes einfällt, ist STAR WARS, dazu sämtliche Superhelden-Filme und Jan Böhmermann.

Prägendster Film, Roman, Anime, Hörbuch etc. ?
Filme, die mich geprägt haben: PULP FICTION, LEON – DER PROFI, THE KID, CITIZEN KANE,  EIN FISCH NAMENS WANDA und A HARD DAYS NIGHT
BÜCHER: ES (Stephen King), DIE VERSCHMÄHTEN SCHRIFTEN DES PROFESSORS VON IGELFELD (Alexander McCall-Smith)

Größtes Alltagsproblem?
Mir fehlt immer die Zeit: Zeit für den Garten, Zeit für den Haushalt, Zeit fürs Bloggen. Dafür verbringe ich mich viel Zeit mit meinem Kind und meinem Mann. Unsere gemeinsame Zeit ist das kostbarste für mich.

Und jetzt muss ich wohl nominieren: Ich weiß, ihr wart alle schon hunderte Male dran. Deshalb werde ich nur drei von euch auswählen und mit meinen Fragen (Filmfragen, dem Thema meines Blogs geschuldet) quälen 🙂 Wer die Fragen auch ohne Nominierung gern beantworten möchte, ist herzlich eingeladen. Die Spielregel kennt ihr sicherlich. Den Nominator (mich) in eurem Betrag verlinken, meine Fragen beantworten, eigene Fragen ausdenken und selber nominieren. Ich hoffe, das ist richtig so.

Hier die Nominierungen:
Aktion Morgenluft
Staffmann
Klaus Oberrauner

Hier die Fragen:

Was ist der erste Film, den du im Kino gesehen hast, und welche Bedeutung hat er für dich?

Zu welchem Zeitpunkt entscheidest du, ob dir ein Film gefällt? Nach zehn Minuten? Zum Ende des Films? Ein paar Tage später? Und warum ist das so?

Deine drei Lieblingsfilme sind?

Was muss ein Film haben, um dich zu packen?

Wenn du einen Film drehen könntest, wen würdest du besetzen? Mit wem würdest du gern zusammenarbeiten? Und warum?

Ganz ehrlich, was hältst du von der deutschen/deutschsprachigen Filmlandschaft?

Kannst du als Filmblogger im Kino/ oder im Fernsehsessel geistig abschalten und dich fallen lassen, wenn du einen Film siehst, oder fängst du im Hinterstübchen bereits an zu analysieren?

Welcher Schauspieler/Filmemacher hat deiner Meinung nach die Kinogeschichte geprägt? Und warum?

Welche Filme sollte ich unbedingt schauen?

Der Tramp – eine Legende im Watschelgang

Nur wenige Minuten dauert der erste Auftritt von Charlie Chaplin als Tramp. In dem Stummfilm „Kid Auto Races at Venice“ (Link zum Film) erobert der kleine Landstreicher mit dem Schnurrbart und der Melone erst die Leinwand und dann ein Millionenpublikum. Warum er mich noch heute fasziniert, lest ihr hier.

Charlie Chaplin erfindet den Tramp

Es brauchte nur eine Melone, ein Schnurrbärtchen und ein wenig Theaterschminke, um eine Legende zu erschaffen. Vor über 100 Jahren hat Charlie Chaplin als Tramp die Leinwand erobert. „Kid Auto Races at Venice“ feierte am 7. Februar 1914 Premiere. Der erste Auftritt von Chaplins Alter Ego ist nur wenige Minuten lang. Der kleine Landstreicher ist Zuschauer bei einem Seifenkistenrennen. In dem für ihn später typischen Watschelgang gerät er immer wieder vor die Kameras der Reporter, bringt sie damit zur Verzweiflung.
In jener Zeit werden Filme wie am Fließband produziert – Stummfilmklamotten ohne Drehbuch, die Gags sind improvisiert. Dennoch ist „Kid Auto Races“ etwas Besonderes, legt der Film doch den Grundstein für Chaplins Weltruhm. In den Londoner Slums aufgewachsen, zieht es den jungen Chaplin schon früh ans Theater. Dank seines schauspielerischen Talents steigt er bald zum Hauptdarsteller auf. 1913 tourt er mit einer Theatergruppe durch die USA und wird von „Komödien-König“ Mack Sennett für den Film entdeckt. Für den 24-Jährigen geht ein Traum in Erfüllung.

„Ich verstand wenig vom Film“, schreibt Chaplin in „Die Geschichte meines Lebens“. „Aber eines wusste ich: Nichts war wichtiger als die Persönlichkeit.“ Die ersten Drehtage verlaufen enttäuschend für ihn, zu sehr unterscheidet sich die Arbeit beim Film vom Theaterspielen. Er ist verwirrt und unsicher. „Schmink dich irgendwie komisch“, habe Mack Sennett zu ihm gesagt. „Als ich auf dem Weg zur Requisitenkammer war, kam mir eine Idee“, erinnert sich Chaplin später. „Alles sollte einander widersprechen. Die Hose musste weit sein, die Jacke eng, der Hut klein, das Schuhwerk groß. Zunächst wusste ich noch nichts von dieser Figur. Aber als ich das Kostüm am Leib hatte, ließen mich die Kleider und Schminke fühlen, was das für ein Mensch war.“

Filmstar

Als Tramp avanciert Chaplin zum Publikumsliebling. Die Menschen mögen den gutmütigen kleinen Kerl, der sich nicht unterkriegen lässt und der Obrigkeit die Stirn bietet. Mit ihm können sie sich identifizieren. Er ist einer von ihnen. Ständig verlangen die Zuschauer nach neuen Abenteuern des kleinen Landstreichers, und Chaplin liefert sie ihnen am laufenden Band. Ob als Rollschuhfahrer, Vagabund, Feuerwehrmann oder Artist – Chaplin und sein Tramp feiern einen Erfolg nach dem nächsten. Die Studios reißen sich um den neuen Filmstar, überbieten einander mit Rekordgagen. Doch Chaplin geht es nicht nur um Geld, sondern vor allem um künstlerische Freiheit. Um dem Monopol der etablierten Studios entgegenzutreten, gründet er 1919 zusammen mit den Schauspielern Mary Pickford, Douglas Fairbanks und dem Regisseur D. W. Griffith den unabhängigen Filmverleih United Artists.

Chaplin wirkt nun nicht mehr nur als Schauspieler und Regisseur, sondern gleichzeitig auch als Produzent, Drehbuchautor, Cutter und Filmkomponist. Längst hat er sich von der einfach gestrickten Slapstick-Komödie verabschiedet, um Raum für sozialkritische Zwischentöne zu schaffen. Themen wie die Einwanderungspolitik der USA, das Leid von Waisenkindern und Benachteiligten rücken in den Mittelpunkt seiner Streifen. Als Filmemacher ist Chaplin gereift, bedient sich einer gefühlsbetonteren Erzählweise, bei der Tragik und Komik miteinander verschmelzen. „ The Immigrant“ (1917), „The Kid“ (1921) und „Lichter der Großstadt“ (1931) sind nur einige Beispiele dafür.

Modern Times

Ende der 1920er Jahre setzt sich der Tonfilm durch. Trotz seiner enormen Popularität sind die Tage des Tramps gezählt. Auch Chaplin spielt in dieser Zeit mit dem Gedanken, einen Tonfilm zu produzieren. „Es würde bedeuten, dass ich mich von der Rolle des Tramps ein für alle Mal lösen müsste“, schreibt er in seiner Autobiografie. „Es gab Leute, die vorschlugen, dass der Tramp sprechen solle. Das war undenkbar. Ich hatte mir überlegt, wie der Tramp sprechen könnte, ob ganz einsilbig oder vielleicht nur im Flüsterton, doch das half alles nichts. Wenn ich sprach, dann war ich ein Schauspieler wie jeder andere.“
Also dreht Chaplin einen weiteren, seinen letzten Stummfilm. In „Modern Times“ (1936) verzweifelt der Tramp an den Auswüchsen von Kapitalismus und Industrialisierung. Massenarbeitslosigkeit, Streiks, Verelendung – der kleine stumme Kerl findet keinen Platz in dieser lärmenden modernen Zeit. Am Ende des Filmes lässt Chaplin ihn deshalb ziehen. Er watschelt in den Sonnenuntergang – ein letztes Mal. Doch diesmal ist er nicht allein. Mit einem Mädchen im Arm verschwindet der Tramp von der Bildfläche. Für immer. In den Herzen seiner Fans lebt er bis heute. (Link zur Szene)

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